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: Ein Aufruf gegen den Krieg

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Krieg ist kein guter Anlass, ein Stück dieser Erde ins Blickfeld zu rücken. Aber es ist ein Symptom unserer Zeit, dass die von Menschen wie von der Natur gemachten Katastrophen am ehesten geeignet sind, die Welt auf etwas aufmerksam zu machen. Mit Georgien ist solches geschehen. Christa Frieda Vogel ...

          Krieg ist kein guter Anlass, ein Stück dieser Erde ins Blickfeld zu rücken. Aber es ist ein Symptom unserer Zeit, dass die von Menschen wie von der Natur gemachten Katastrophen am ehesten geeignet sind, die Welt auf etwas aufmerksam zu machen. Mit Georgien ist solches geschehen. Christa Frieda Vogel konnte, als sie aufbrach, um sich ein Bild von dem Land am Kaukasus zu machen, nicht einmal ahnen, wie schnell dieser junge Staat durch eine riskante politische Aktion und durch eine brutale Machtdemonstration als Antwort "ins Gerede" kommen würde. Doch kaum dass sie ihre zwei Jahre - von 2005 bis 2007 - dauernde Arbeit abgeschlossen hatte, bestimmten nicht mehr Ansichten von schönen Landschaften und von Menschen in Frieden die Vorstellung von Georgien, sondern Szenen von Gewalt, Elend und Tod. Aber vielleicht ist dieses Buch gerade deswegen ein publizistisches Ereignis, erzählen doch Christa Frieda Vogels wunderbar sanfte und dennoch schonungslos nüchtern das Sein und Dasein Georgiens erfassende Fotografien - aus gutem Grund nicht in verharmlosender, verklärender Farbe, sondern in Schwarzweiß - Lebens- und Landschaftsgeschichten, die heute wie eine lange zurückliegende Erinnerung wirken, zugleich aber zu besonderer Anteilnahme herausfordern. Verstärkt wird dies durch die beigefügten Texte georgischer Schriftsteller, die zunächst scheinbar keine Beziehung zu den Bildern haben, die sie jedoch auf ganz eigene Weise akzentuieren, ist doch diesen literarischen Zeugnissen allesamt ein Grundton eigen: die Reflexion über den Verlust der Freiheit und die Beschwörung vergangenen Ruhms. So hat dieser Band einen doppelten Sinn. Zum einen hilft er, eine Vorstellung von diesem "Land am Rande" zu gewinnen, wie es die georgischen Intellektuellen nicht ohne Koketterie nennen, obwohl es eine bedeutende kulturelle Schnittstelle von West und Ost ist. Zum anderen macht er bekannt mit Gestalten einer dichterischen Provinz, die - erstaunlich viele mit einer starken Beziehung zu Deutschland - durchaus die Beachtung Europas verdienen, beweisen doch die Stücke von Lewan Beridse, Giwi Margwelaschwili oder Aka Mortschiladse, deren Arbeit bislang allenfalls Eingeweihten bekannt ist, dass sie sich messen können mit einer poetischen Tradition, die schon seit uralten Zeiten und vor allem während der romantischen Epoche eine hohe Wertschätzung erreichte.

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          "Georgien - Begegnung mit Ursprung und Zeit" von Christa Frieda Vogel (Fotos), mit Texten georgischer Schriftsteller und Dichter. Edition Braus, Heidelberg 2008. 148 Seiten, 85 Fotos. Gebunden, 49,90 Euro.

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