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: Debatten über die Kunst

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Paris, die am meisten besuchte Stadt der Welt, individuell entdecken - wer wollte das nicht? Auf knapp einem Dutzend Touren durch die Stadt versucht Katja Retieb dem im Titel ihres Reiseführers formulierten Anspruch gerecht zu werden. Dass die auch an der Sorbonne studierte Literarturwissenschaftlerin ...

          Paris, die am meisten besuchte Stadt der Welt, individuell entdecken - wer wollte das nicht? Auf knapp einem Dutzend Touren durch die Stadt versucht Katja Retieb dem im Titel ihres Reiseführers formulierten Anspruch gerecht zu werden. Dass die auch an der Sorbonne studierte Literarturwissenschaftlerin gern auf die Hilfe von pariserfahrenen Schriftstellern zurückgreift, darf nicht verwundern. Es geht mit Sartre und Oscar Wilde durch Saint-Germain-des-Prés, mit Amélie Nothomb und Houellebecq durch Montparnasse, mit Heine und Balzac in den feinen Westen. Mit keinen ganz Unbekannten also, sondern Schriftstellern, deren Werke einem großen Publikum vertraut und deren Pariser Bleiben in der Liste der Besucherattraktionen fest verankert sind. Bliebe die Frage nach der versprochenen individuellen Entdeckung. Die jeder Tour hinzugefügten "Redaktionstipps" helfen nicht wirklich weiter, klappern eher das Abc der Sehenswürdigkeiten und altgediente Restaurant- oder Caféadressen ab. Zweiter Versuch: Von einem Kapitel mit der Überschrift "Mit Yasmina Reza um die Madeleine" erwartet man persönliche Tipps der gefeierten Theaterautorin. Fehlanzeige. Zwar wird dem Leser deren zentrales Werk "Kunst" kenntnisreich nahegebracht, doch die Erwartung, die berühmte Kirche mit den Augen von Yasmina Reza zu besichtigen, wird enttäuscht. Mehr als ein paar allseits bekannte Boutiquen rund um die Madeleine werden nicht genannt - für eine individuelle Entdeckung reicht es wohl nicht. Selbiges gilt auch für die den Touren etwas ungeschickt, weil zwar nach Vierteln unterteilt, jedoch en bloc vorangestellten Tipps für Übernachtung, Einkaufen, Essengehen. Weniger wäre mehr, und ein paar wirklich taufrische Empfehlungen täten dem Buch gut. Das Buch bezieht seine Stärke eher aus den vielen, en passant eingestreuten literarischen Essays und schriftstellerischen Werdegängen. Ein Wort noch zu den Ausflügen ins Umland. Neben Klassikern wie den Schlössern von Versailles und Vincennes stehen das Haus von Zola in Médan und die vorübergehende Bleibe des belgischen Nobelpreisträgers Maurice Maeterlinck im selben Ort auf dem Programm. Es sind endlich ungewohnte Ziele für Parisreisende, ebenso wie die Auberge Ravoux in Auvers-sur-Oise, in der Vincent van Gogh seine letzten Tage verbrachte.

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          "Paris & Umgebung. Tipps für individuelle Entdecker" von Katja Retieb. Reisebuchverlag Iwanowski, Dormagen 2010. 318 Seiten, zahlreiche Abbildungen und Pläne. Broschiert, 14,95 Euro.

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2010, Nr. 227 / Seite R8

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