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Diffamierung Jörg Baberowskis : Das beste Gegengift sind kluge Studenten

Opfer einer Diffamierungskampagne: der Osteuropahistoriker Jörg Baberowski Bild: Helmut Fricke

Schließlich ist die Universität ein Ort der Aufklärung, aber keiner des gezielten Rufmordes: An der TU Berlin stoßen die Diffamierer Jörg Baberowskis auf Widerspruch eines Dozenten und dessen Unterstützung durch Studenten.

          Sekten, vor allem politischen, mit Argumenten zu kommen hat wenig Sinn. Und so wäre diese Abendveranstaltung in der Technischen Universität Berlin eigentlich nicht der Erwähnung wert. Eingeladen hatte eine Viererbande, für die „in Teilen des akademischen Establishments ein scharfer Rechtsruck“ stattgefunden hat. Zitierbare Beweise oder eine Begriffserklärung für „rechts“ blieben sie schuldig. Dafür haben sie einen bewährten Feind, auf den sie alles projizieren, was ihren Vorstellungen vom straff gelenkten Gesellschaftskollektiv und von der Geschichte widerspricht: den Osteuropahistoriker Jörg Baberowski.

          Um ihre Verleumdungen, Begriffsverdrehungen und Verschwörungstheorien unter die Leute zu bringen, benutzen sie gern Studentenvertretungen als formale Gastgeber. Die sind zwar gewählt worden, doch meist dank einer Wahlbeteiligung zwischen sieben und zehn Prozent ins Amt gekommen, so dass linksextremistische Splittergruppen meinen, damit die Deutungshoheit an der Universität errungen zu haben. Trotzdem hatten nicht allzu viele Studenten der Berliner Universitäten Lust, ihnen zuzuhören.

          Endlich empören sich auch Studenten öffentlich

          Das Gros der Zuhörer hatte sein Studium – so es denn je eines absolvierte – lange hinter sich und freute sich umso mehr an all den Kampfbegriffen längst vergangener Protestzeiten, mit denen das Podium sie versorgte. Von Geschichte als Wissenschaft verstehen die Agitatoren nicht viel, normalerweise brauchen sie das wohl auch nicht für ihre Hetzkampagne. Dieses Ritual störte dieses Mal jedoch gleich zu Beginn der Osteuropahistoriker Karl Schlögel. Er forderte die „Rufmörder“ ruhig und bestimmt auf, ihr schändliches Treiben zu unterlassen. Die anonymen Nachstellungen, die bis ins Privatleben Baberowskis reichen, haben bekanntlich längst Stalkingqualität. Ein kollektiver Anonymus lässt den Wissenschaftler heimlich fotografieren und diffamiert ihn seit drei Jahren auf seiner Website, die – presserechtlich unerreichbar – von einem amerikanischen Server aus betrieben wird.

          Menschen wie sie, sagte Schlögel, hätten an keiner Universität etwas zu suchen, weil „die ein Ort der Aufklärung“ sei, aber keiner des „gezielten Rufmordes“. Schlögels Mahnung rief bei einigen Älteren zwar böses Murren hervor, brachte aber das bisher wohl störfrei zelebrierte Ritual der Verlesung falscher (in dieser Zeitung seit drei Jahren immer wieder richtiggestellter) Baberowski-Zitate und geraunter Weltgefahren erfreulich durcheinander. Der Versammlungsleiter versuchte vergeblich, Schlögel niederzuschreien, stattdessen dankte die größte Studentengruppe im Saal, die aus allen Berliner Universitäten kam, dem verehrten Professor für seinen Einspruch. Endlich, das zeigte nicht nur dieser Abend, empören sich auch Studenten öffentlich. Über die Hetze und die Einschüchterungsmaßnahmen einer „extremistischen Sekte“, die jeden treffen würden, der bisher zu widersprechen wagte. Es gibt also ein heilendes Gegengift für ahistorische Verdummung und armselige Politikasterei an der Universität: kluge Studenten mit Widerstandsgeist.

          Regina Mönch

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

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