10.03.2006 · Etwa drei Dutzend Sonden sind bisher auf dem Weg zum Roten Planeten verschwunden. Nun erreicht der „Reconnaissance Orbiter“ den Mars. Er soll Landeplätz für künftige Missionen finden - und den „Fluch des Mars“ besiegen.
Von Günter PaulIn der interplanetaren Raumfahrt kommt dem Mars eine besondere Rolle zu. Zum einen wurde seit Erfindung des Fernrohrs immer wieder darüber spekuliert, ob sich auf ihm Leben entwickelt hat. Zwar gibt es selbst für die Entstehung von Mikroorganismen bislang keine akzeptablen Belege, aber immerhin wurde die Oberfläche des Planeten - zumindest eine Zeitlang - von Wasser dominiert, das eine der Voraussetzungen für Leben ist. Zum andern wird der Mars wegen der günstigen Anflugbedingungen eines Tages der erste Planet sein, auf dem Astronauten landen. Deshalb ist er das Ziel zahlreicher Raumsonden gewesen.
An diesem Freitag abend wird eine weitere Sonde der Vereinigten Staaten, der Mars Reconnaissance Orbiter, in eine Umlaufbahn um den Himmelskörper einschwenken. Mit einer Drei-Meter-Antenne kann der Orbiter seine Daten mit einer zehnmal so großen Übertragungsrate zur Erde senden wie bislang bestenfalls möglich. Insgesamt erwarten die Forscher von ihm mehr Daten als von allen bisherigen Marssonden zusammen.
Suche nach Landeplätzen
Die wichtigste Aufgabe des Orbiters wird darin bestehen, geeignete Landeplätze, die auch wissenschaftlich besonders interessant sind, für künftige Forschungslabors und Rover zu suchen. Dafür hat er eine hochauflösende Kamera an Bord, die aus 200 bis 400 Kilometern Höhe bei einer Pixelgröße bis herab zu dreißig Zentimetern einen bis zwei Meter große Objekte auf der Oberfläche des Planeten erkennen läßt. Erfaßt die Kamera ein und dasselbe Gebiet zweimal, lassen sich im Gelände Höhenunterschiede von nur 25 Zentimetern registrieren.
Der Orbiter soll im Jahr 2008 dem Phoenix Mars Scout helfen, auf einer Eisfläche in der Nähe der nördlichen Polareiskappe niederzugehen, und auch einen komplexen Rover (Mars Science Laboratory), der im Jahr 2009 starten soll, bei der Landung unterstützen. Zu den Aufgaben der sechs Forschungsgeräte an Bord wird es auch gehören, die Verteilung von Mineralien zu kartieren, wobei sich fußballfeldgroße "Vorkommen" noch erkennen lassen, mit Radar Eis und Wasser unter der Marsoberfläche aufzuspüren, die Marsatmosphäre umfassend zu erkunden und einen täglichen Wetterbericht zu liefern. Außerdem soll der Orbiter Daten von Marslandegeräten zur Erde leiten.
Forschungsmission beginnt im November
Das Einschwenken des Orbiters um den Mars wird mit einem Triebwerk erreicht, das am Freitag um 22.24 Uhr mitteleuropäischer Zeit für eine Brenndauer von etwa 27 Minuten eingeschaltet wird. Die Sonde gerät zunächst auf eine langgestreckte elliptische Bahn, die weit vom Mars fortreicht. Im kommenden Halbjahr wird sie rund fünfhundert Mal derart durch die dünne Atmosphäre des Planeten gelenkt, daß schließlich infolge der Abbremsung eine niedrige, fast kreisförmige Bahn herauskommt. Die eigentliche wissenschaftliche Phase der Mission wird im November beginnen.