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Rechtschreibung Stoiber: Das dass kann bleiben

04.10.2004 ·  Gegen Beliebigkeit, für einen Kompromiß bis nächstes Jahr: Es müsse wieder Klarheit über die deutsche Rechtschreibung geschaffen werden, sagte der CSU-Vorsitzende Stoiber in einem Gespräch mit der F.A.Z..

Von Albert Schäffer
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Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Stoiber will erreichen, daß die Rechtschreibreform bis Mitte nächsten Jahres in mehreren Punkten geändert wird. Es müsse rasch wieder Klarheit über die deutsche Rechtschreibung geschaffen werden, sagte Stoiber in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Der Umgang mit einem wichtigen geistigen Rüstzeug dürfe nicht der Beliebigkeit überlassen werden. Für eine vollständige Rückkehr zur alten Rechtschreibung sieht Stoiber zwar keine politische Mehrheit; nach seiner Ansicht muß aber rasch ein vernünftiger Kompromiß gefunden werden, um nicht die kulturelle Identität Deutschlands zu gefährden.

Stoiber will dazu auf der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin, die am Mittwoch beginnt, einen Vorstoß unternehmen ( Zehetmair schlägt Kompromiß zur Rechtschreibung vor). Die Zeit bis zum Juli kommenden Jahres, während der die bewährte Rechtschreibung und die reformierten Regeln nebeneinander in Kraft seien, müsse genutzt werden, sagte Stoiber. Bis dahin sollten alle Ungereimtheiten geklärt werden. Der Zustand, daß es keine allgemein akzeptierten Schreibweisen mehr gebe und viele Bürger das Gefühl hätten, man könne schreiben, wie man wolle, müsse beendet werden.

"Was sich bewährt hat, soll beibehalten werden“

Als Richtschnur für die Korrektur der Reform schlug Stoiber vor: "Was sich bei der Rechtschreibreform bewährt hat, soll beibehalten werden, was sich nicht bewährt hat, soll korrigiert werden." Beibehalten könnte man seiner Auffassung nach die reformierte Schreibweise von "daß/dass", weil sie allgemein angenommen worden sei. Änderungen seien aber notwendig bei der sinnentstellenden Neuregelung der Getrennt- und Zusammenschreibung, bei den Trennungen und Satzzeichen. Stoiber verwies auf ein Memorandum seines früheren Kultusministers Zehetmair (F.A.Z. vom 2. Oktober), der Änderungen in diesen Punkten befürwortet; die Einschätzung Zehetmairs, der in seiner Amtszeit Einfluß auf die Reform genommen hatte, sei für ihn ein wichtiger Beleg, daß Korrekturen notwendig seien, sagte Stoiber.

Als weiteres Beispiel für die Notwendigkeit von Änderungen nannte Stoiber die Eindeutschung von Fremdwörtern. Der bayerische Ministerpräsident hielt es für ein Zeichen einer gewissen Provinzialität, "wenn wir Deutsche als einzige in der Welt Ketschup statt Ketchup schreiben". Er sehe mit Sorge, "daß wir an den Schulen und in der Verwaltung eine eigene Rechtschreibung bekommen könnten, die von der Bevölkerung nicht beachtet oder abgelehnt wird", sagte Stoiber. Der Staat gefährde seine Glaubwürdigkeit, wenn er den Kindern an den Schulen etwas vermittle, was außerhalb der Schulen nicht akzeptiert oder sogar offen mißachtet werde.

Der Kern der kulturellen Identität

Klarheit in der deutschen Sprache gehört für Stoiber zum Kern der kulturellen Identität des Landes. Geist sei der wichtigste Rohstoff Deutschlands; gute Fähigkeiten im Schreiben und Lesen hätten in der Vergangenheit zur Grundausstattung der Deutschen gehört, die nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfe.

Stoiber sprach sich auch dafür aus, "das unübersichtliche Nebeneinander verschiedener Beiräte für die deutsche Sprache" zu beenden. Die Ministerpräsidenten und Kultusminister sollten einen "Rat für deutsche Rechtschreibung" einrichten, "in dem natürlich auch Kritiker der Rechtschreibreform vertreten sein sollten", sagte Stoiber. Einen Entwurf für einen international besetzten "Rat für deutsche Rechtschreibung" hatte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Kultusministerin Ahnen (SPD), in der vergangenen Woche vorgelegt. Im Unterschied zu diesem Entwurf, der in recht unverbindlicher Form vorsieht, daß ein solcher Rat den Schriftgebrauch beobachten und Vorschläge zur Weiterentwicklung der reformierten Rechtschreibung erarbeiten soll, regte Stoiber aber einen engen Zeitkorridor an. Der Rat solle nach seiner Vorstellung bis Mitte nächsten Jahres "alle offenen Fragen, die in der Diskussion sind", klären. Oberstes Ziel müsse es sein, "daß es in Deutschland wieder eine allgemein akzeptierte Rechtschreibung gibt", sagte Stoiber.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2004, Nr. 231 / Seite 1
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