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Rechtschreibung Schröder gegen Rücknahme der Reform

09.08.2004 ·  Bundeskanzler Gerhard Schröder sei nach wie vor gegen eine Rücknahme der Rechtschreibreform, sagte ein Sprecher am Montag. Siebzig Professoren machen sich derweil für eine Volksabstimmung stark.

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Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist gegen eine Rücknahme der Rechtschreibreform. „Es gibt seitens der Bundesregierung keine Überlegungen, die Rechtschreibreform rückgängig zu machen“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Hans- Hermann Langguth. Der Kanzler habe bereits vor Wochen klargemacht, daß er es für falsch halte, die Reform rückgängig zu machen. Langguth verwies auf die Zuständigkeit der Länder in dieser Frage.

Unterdessen lösten Forderungen nach einer Volksabstimmung zur Orthographie neue Kontroversen aus. Rund 70 Rechtsprofessoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz forderten am Montag eine Volksbefragung. Das Grundgesetz sieht allerdings zu solchen Themen bisher keine bundesweiten Volksentscheide vor. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Doris Ahnen, hatte sich bereits am Vorabend in der ARD-Sendung „Sabine Christiansen“ gegen eine Volksabstimmung gewandt.

„Ganz andere Sorgen“

Der Sprecher der Professoren-Initiative, der Münchner Rechtsanwalt Johannes Wasmuth, sagte am Montag, die Entscheidung über die Reform müsse den Kultusministern genommen und wenigstens an die Parlamente überwiesen werden. Am besten sei eine Volksabstimmung. KMK- Präsidentin Ahnen meinte, die Mehrzahl der Bürger in diesem Land hätten „ganz andere Sorgen“. Die SPD-Politikerin verwies abermals auf den „einstimmigen Beschluß“ in der KMK, die Rechtschreibreform zum 1. August 2005 einzuführen. „Zur guten Demokratie gehört auch Verläßlichkeit. Wir können nicht alle drei Tage die Pferde wechseln“, betonte die rheinland-pfälzische Kultusministerin.

Auch der Chefredakteur der „Bild am Sonntag“, Claus Strunz, hatte sich in der Sendung für eine Volksabstimmung in der Frage ausgesprochen. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers verwies auf eine Volksinitiative in Schleswig-Holstein Ende der neunziger Jahre, die eine große Mehrheit gegen die Rechtschreibreform hatte. „Die Politik hat dann entschieden, das interessiert uns nicht und wir machen weiter“, kritisierte Rüttgers am Sonntag abend. Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2005 in Nordrhein-Westfalen will im Fall eines Sieges im bevölkerungsreichsten Bundesland die Rückkehr zu den alten Regeln herbeiführen. Die Mehrheit der Länder lehnt allerdings bisher ein Kippen der Reform ab.

„Schnellstmögliche“ Umstellung

Bildungsverbände warnen vor einem Chaos bei einer Rücknahme der Reform, Buchverlage befürchten Millionenkosten auch für die Kommunen. Die Axel Springer AG und der Spiegel-Verlag hatten am Freitag die „schnellstmögliche“ Umstellung auf die alten Schreibweisen angekündigt, die „Süddeutsche Zeitung“ will folgen.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, forderte ein schnelles Ende der Debatte um die Rechtschreibreform. „In den Schulen ist es so, daß wir eigentlich uns nichts mehr herbeisehnen als ein Ende der Debatte und wieder Klarheit, was die Normen in der Orthographie betrifft“, sagte Kraus am Montag im Deutschlandfunk. Der Vorsitzende der zwischenstaatlichen Rechtschreibkommission, Karl Blüml, warf den Verlagen, die zur alten Rechtschreibung zurückkehren wollen, „pädagogische Verantwortungslosigkeit“ vor. Sie setzten Kinder, Eltern und Lehrer unter „schweren Druck“, sagte Blüml im Deutschlandradio Berlin. Blüml räumte ein, daß Nachbesserungen nötig seien. Er glaube, daß die Reform grundsätzlich Bestand habe. „Daß sie modifiziert und weiterentwickelt werden muß, ist aber sicher.“

Die Kultusministerkonferenz wird sich am 14. und 15. Oktober abermals mit der Rechtschreibung befassen, eine Woche zuvor tagen die Ministerpräsidenten. Bereits am 30. August ist ein zwischenstaatliches Treffen - unter anderem mit Vertretern aus Österreich und der Schweiz - auf Beamtenebene in Wien geplant, das aber schon vor der aktuellen Debatte vereinbart war. Die KMK hatte beschlossen, daß nach sechs Jahren Übergangszeit die neuen Regeln vom 1. August 2005 in Schulen und Ämtern in Deutschland verbindlich gelten. Eine Rücknahme der Reform würde Einstimmigkeit der Länder erfordern.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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