25.08.2004 · Die Duden-Redaktion rechnet nicht mit einer Rückkehr. Die österreichische Bildungsministerin ist eh dagegen. Ihr saarländischer Kollege denkt an ein Nebeneinander. Und seine Parteichefin will ein Ende des Durcheinanders.
Der Leiter der Duden-Redaktion, Matthias Wermke, rechnet nicht mit einem Stop der Rechtschreibreform. „Ich glaube nicht, daß die Uhr noch einmal zurückgestellt wird“, sagte der Sprachexperte am Mittwoch in Mannheim bei der Vorstellung der 23. Auflage des neuen Duden. „Wir müssen bei dem bleiben, was wir jetzt haben.“ Das Nachschlagewerk wird an diesem Freitag auf den Markt kommen. Es enthält 5000 neue Wörter und orientiert sich an den neuen Schreibregeln.
Unterdessen sprach sich die österreichische Bildungsministerin Elisabeth Gehrer erneut gegen eine Rücknahme der Rechtschreibreform aus. Es könne kein „Zurück“ mehr von dem eingeschlagenen Kurs geben, weil es sich bei der Rechtschreibreform um eine zwischenstaatliche Vereinbarung handle, sagte Gehrer am Dienstagabend im Österreichischen Fernsehen ORF. Außerdem wäre eine Rückumstellung „mit enormen Kosten“ verbunden. Die Schüler lernten nach der neuen Rechtschreibung im Übrigen besser und machten weniger Fehler, so die Bildungsministerin.
Nichts schlimmer als die Verunsicherung
Der saarländische Bildungsminister Jürgen Schreier (CDU) schlägt indessen vor, daß an deutschen Schulen dauerhaft die alte und die neue Rechtschreibung gültig sein sollen. Unterrichtet werden müsse zwar die neue Schreibweise, die alte dürfe aber auch nach dem 1. August 2005, dem derzeitigen Ende der Übergangszeit, nicht als falsch angestrichen werden, sagte Schreier am Mittwoch in Saarbrücken. Der Minister stellte klar, daß es nicht um ein Zurück zur alten Rechtschreibung gehe. Es könne aber nicht sein, daß Schüler in einem Großteil der deutschen Presse und in Büchern die alte Schreibweise lesen, sie aber im Unterricht nicht verwenden dürften.
Hingegen hat CDU-Chefin Angela Merkel in der Diskussion um die Rechtschreibreform schnelle Klarheit gefordert. Nichts sei schlimmer, als wenn die Menschen verunsichert würden, sagte Merkel in einem RTL-Sommerinterview am Mittwoch auf der Nordseeinsel Borkum. Man könne zwar an eine Überarbeitung durch eine Kommission denken, dann müßten aber möglichst rasch die neuen Regeln auch beschlossen werden.