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Rechtschreibung ARD und Handelsblatt schreiben weiter neu

10.08.2004 ·  Während die Sender der ARD und die Zeitungen der Handelsblatt-Gruppe ankündigten, an der Rechtschreibreform festzuhalten, will sich die „Süddeutsche Zeitung“ Zeit lassen bei der Entscheidung, welche Regeln sie anwenden will.

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Die öffentlich-rechtlichen Sender der ARD bleiben bei der reformierten Rechtschreibung. In einer Schaltkonferenz stellten die Intendanten am Dienstag fest, es gebe für sie derzeit keine Veranlassung, von der geltenden Rechtschreibung abzuweichen. Noch am Freitag hatte der Intendant des SWR, Peter Voß, angekündigt, für eine Rücknahme der Reform in der ARD zu werben.

Zuvor hatte auch die Verlagsgruppe Handelsblatt erklärt, sie halte an der neuen Rechtschreibung fest. Die „Süddeutsche Zeitung“ will nicht vor Oktober entscheiden, in welchem Umfang sie die neuen Regeln abschafft und zu den alten zurückkehrt.

„Keine übereilten Schritte“

Die ARD-Intendanten erklärten, sie ließen sich bei ihrer Entscheidung insbesondere von der Verantwortung für die heranwachsende Generation leiten. Nach der Ankündigung von Axel Springer AG und „Spiegel“-Verlag, zur alten Rechtschreibung zurückzukehren, sagte der ARD-Vorsitzende Jobst Plog: „Übereilte Schritte scheinen uns nicht geeignet, die nach dem Vorstoß zweier Verlagshäuser eingetretene Konfusion zu verringern. Deshalb bleiben wir bis auf weiteres bei den Regeln, die in den Schulen unterrichtet werden.“

Ausführlich werde sich die ARD mit der künftigen Rechtschreib-Praxis auf der Intendantensitzung Mitte September in Köln beschäftigen. Die neun Landesrundfunkanstalten und die Deutsche Welle waren ebenso wie die Nachrichtenagenturen, Zeitschriften und nahezu alle Zeitungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor fünf Jahren zur neuen Rechtschreibung übergegangen.

Keine Bewegung beim „Handelsblatt“

Die in der Düsseldorfer Verlagsgruppe Handelsblatt erscheinenden Publikationen halten an der neuen Rechtschreibung fest. Die vier Chefredakteure der Wirtschaftsmagazine stimmten darin überein, daß es keinen Grund gebe, die Rechtschreibreform jetzt aufzugeben, teilte am Dienstag ein Unternehmenssprecher mit. In der Verlagsgruppe erscheinen das „Handelsblatt“, die „Wirtschaftswoche“, „Euro - Das Magazin für Geld und Wirtschaft“ sowie „Junge Karriere“.

Die demokratisch legitimierten Institutionen des Staates hätten sich vor Jahren in Abstimmung mit den anderen deutschsprachigen Ländern für die Einführung der neuen Rechtschreibung entschieden. „Als Demokraten respektieren wir diese Entscheidung - egal wie wir persönlich und im einzelnen dazu stehen“, erklärten die Chefredakteure. Dies geschehe „auch im Interesse einer einheitlichen und an den Bedürfnissen unserer Kinder orientierten Regelung“.

„SZ“ entscheidet im Oktober

Die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) will frühestens im Oktober entscheiden, in welchem Umfang sie die reformierte Rechtschreibung ändert. In einer Erklärung in eigener Sache erläuterte das Blatt in seiner Dienstag-Ausgabe: „Eine Entscheidung darüber, was wir konkret ändern, wird erst fallen, wenn wir mit den Kultusministern, den Schulbuchverlagen, den Nachrichtenagenturen und anderen Verlagshäusern über Sinn und Unsinn der neuen Regeln gesprochen haben. Das wird nicht vor Oktober sein.“ Die SZ werde jede Initiative unterstützen, die ein „möglichst einheitliches Erscheinungsbild der deutschen Schriftsprache garantiert“.

Anfang Oktober wollen die Kultusminister über die aktuelle Situation beraten und am 14./15. Oktober die Ministerpräsidenten sich mit der Rechtschreibreform befassen. Nachdem „Der Spiegel“ und der Axel-Springer-Verlag am Freitag die Rückkehr zu den alten Rechtschreibregeln angekündigt hatten, hatte auch die „SZ“ die Abkehr von den neuen Regeln in Aussicht gestellt, Zeitpunkt und Umfang jedoch offen gelassen. Seitdem gingen nach Angaben des Verlags täglich Hunderte von Anrufen, E-Mails und Briefen ein, in denen Zustimmung, aber auch Kritik geäußert wurden. Dies veranlaßte die Redaktion, ihre Leserbriefseiten am Dienstag und Mittwoch ausschließlich diesem Thema zu widmen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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