Aus unserer losen Reihe „Sprichworte, ernstgenommen“ möchten wir heute auf die Rede, jemand sei dümmer, als die Polizei erlaubt, zu sprechen kommen. Anlass sind die neuen Dienstwagen der Berliner Polizei, bei denen es sich immer erst einmal um handelsübliche Busse der Marke Volkswagen handelt, bis ihr feines Grau mit einem blauen Streifen versehen ist und sie mit entsprechender Aufschrift dann zum „Polizei“-Auto gemacht werden. An dieser Stelle setzt unsere kleine Untersuchung an, denn als einige der neuen Wagen aus der Beschriftung zurückkamen, waren aus ihnen bedauerlicherweise keine „Polizei“-Autos geworden, dazu fehlte ihnen ein „i“, weswegen man richtigerweise von „Polzei“-Autos sprechen müsste, im Unterschied zu „Polize“-Sicherheitswesten, die in Berlin auch im Einsatz sind.
Ein „i“ macht nicht nur der Punkt allein
Nun ist das Unglück über ein fehlendes „i“ ein Schicksal, das die Berliner Polizei nicht nur mit unzähligen Hauptstadtschülern teilt, die bei ihren Diktaten sogar oft mehr als nur ein Wort fehlerfrei schreiben können müssen. Auch der Igel weiß, dass er ohne das „i“ nicht mehr derselbe, sondern etwas ganz anderes wäre. Und wer möchte sich ein Leben vorstellen, das ganz und gar ohne das „i“ auskommen müsste, das es zum Lieben braucht? Es ist auch hier nicht nur der Punkt auf dem „i“, der entscheidet, es ist schon der ganze Buchstabe. Insofern stellt sich natürlich die Frage, wie die Berliner Polizei als „Polzei“ überhaupt weitermachen kann.
Es wird an jedem Buchstaben gespart
Für die Befragung von Zeugen, für das Schreiben von Protokollen, auch für Festnahmen wird sich erst einmal nichts weiter ändern. Aber was ist beispielsweise mit der Streife? Fährt sie künftig als „Strefe“ durch die Gegend? Wie soll dann eigentlich „ermttelt“ werden? Was lässt sich mit einer „Pstole“ noch ausrichten, wenn sie nun so klingt, als wolle einer - „Psst“ - sehr höflich um Ruhe bitten? Wo soll das nur enden mit der „Berlner Polze“? Schaut man dazu in die Zeitungen der Hauptstadt, so wird dort im Zusammenhang mit Polizei immer wieder über Sparmaßnahmen gesprochen. Womöglich ist das „i“ also nur das erste Opfer dieser Streichungen geworden, was dafür spräche, dass es sich bei der Aufschrift für die neuen Dienstwagen nicht um eine Dummheit, sondern eine Kürzung handelt. Wer also wissen will, was es heißt, dümmer als die Polizei zu sein, und wie dumm genau man dafür eigentlich sein muss, der hat es nun gewissermaßen amtlich: Nur so dumm, wie die Polizei es sich leisten kann.
Kein ß mehr?
Harald Bollbuck (haboll)
- 13.11.2012, 17:22 Uhr
Bravo! Endlich wird etwas gegen die Energieverschwendung durch zu viele
Buchstaben getan! Sofort
Lothar W. Pawliczak (Venedigkenner)
- 13.11.2012, 09:38 Uhr
Jetzt ist aber genug von dem
Egon Weissmann (EgonOne)
- 12.11.2012, 19:57 Uhr