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Rechtschreibreform Die Deutsche Akademie boykottiert den Sprachrat

22.10.2004 ·  Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung will sich nicht am geplanten Rat für deutsche Rechtschreibung beteiligen. Damit folgt sie dem Aufruf der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, den die F.A.Z. am Donnerstag dokumentierte.

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Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung will die ihr angebotenen Sitze im geplanten Rat für deutsche Rechtschreibung nicht annehmen. Damit folgt die Akademie, die zur Zeit ihre Herbsttagung in Darmstadt abhält, dem Aufruf der Schriftstellerin Elfriede Jelinek, den die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Donnerstag dokumentierte.

Die Literaturnobelpreisträgerin dieses Jahres und Büchnerpreisträgerin des Jahres 1998 lehnt die Reform als überflüssig und mißlungen ab und forderte ihre Kollegen auf, die Mitarbeit am verunglückten Reformwerk prinzipiell zu verweigern: Schriftsteller und Publizisten seien „keine Mitmacher dieser Reform“.

Offener Brief von Elfriede Jelinek zur Rechtschreibreform

Obwohl die Akademie, die selbst einen Reformentwurf vorgelegt hat, eher zu einer Kompromißlösung neigt, waren die Befürchtungen, als Feigenblatt der Reformer mißbraucht zu werden, offenbar so groß, daß man die Einladung jetzt ausschlug.

Allerdings will die Akademie ihre Absage nicht als Abkehr von ihrer bisherigen konstruktiven Haltung verstanden wissen. Grundsätzlich, sagte Akademiepräsident Klaus Reichert, sei man weiterhin bereit, Vertreter in ein Gremium zu entsenden, das für die künftige Einheitlichkeit und Stimmigkeit der deutschen Rechtschreibung zu sorgen hätte. Allerdings hält die Akademie den Rat in seiner geplanten Form für ungeeignet und die Arbeitsbedingungen für „unzulänglich“. Deshalb wird die Kultusministerkonferenz aufgefordert, grundlegende Änderungen an der Ratskonzeption vorzunehmen.

Reichert nannte verschiedene Bedingungen, die erfüllt sein müßten, bevor die Akademie ihre Weigerung zurücknimmt. Zunächst einmal verlangt die Akademie die Verkleinerung des Rates von bisher 36 auf nicht mehr als sechs Sitze. Der Länderproporz sah bislang vor, daß Deutschland achtzehn Vertreter, Österreich und die Schweiz je zwei Vertreter entsenden sollten. Außerdem bezweifelt die Akademie, daß der Rat mit ausreichender Entscheidungsbefugnis ausgestattet werden soll. Es wird befürchtet, daß sich die Möglichkeiten des Rates im Vorschlagsrecht erschöpfen könnten. Die Auswahl der Ratsmitglieder dürfe nicht von vornherein die Mehrheit der Reformbefürworter garantieren.

Die Regeln der Rechtschreibung sollen künftig wieder wie vor der Reform dem Sprachgebrauch folgen und nicht der staatlichen Kultusbürokratie gehorchen. Auch geht der Akademie der Auftrag des Rates nicht weit genug. Während der Rat nach dem Willen der Kultusminister „die Rechtschreibung auf der Grundlage des orthographischen Regelwerks (Regeln und Wörterverzeichnis von 1996) im unerläßlichen Umfang“ weiterentwickeln soll, besteht die Akademie darauf, daß die Unstimmigkeiten und Mängel der Reform zurückgenommen werden müssen. Nach Ansicht Reicherts sei dies nur durch eine „neuzuschaffende nichtstaatliche Instanz möglich. Die Akademie sei bereit, an der Bildung einer solchen Institution mitzuarbeiten.

Quelle: igl., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.10.2004, Nr. 248 / Seite 1
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