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Rebellische Provinz Große Männer in Montpellier

23.08.2010 ·  Georges Frêche, Polit-Rebell und ehemaliger Bürgermeister von Montpellier, hat in der Stadt Skulpturen von de Gaulle, Churchill, Roosevelt und Lenin aufstellen lassen. Mao soll folgen - und möglicherweise Stalin.

Von Jürg Altwegg
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Aus der Partei können sie ihn nicht mehr ausschließen, das haben die Genossen wegen seiner rassistischen Sprüche längst getan. Wenn ihn das Fernsehen interviewt, wird er noch immer als Bürgermeister von Montpellier angesprochen. Auch das ist Georges Frêche nicht mehr. Nur kennt niemand die Frau, die von den Sozialisten an seiner Stelle ins Amt geschickt wurde. Deren Verbündete begrüßte er im Regionalparlament zur Eröffnung als „Verräter“, denen er wie einem Gockel den Hals oder das Geschlechtsteil abschneiden werde: Bei der Wahl im vergangenen Frühjahr hatte er mit einer eigenen Liste seine frühere Partei hochkant geschlagen.

Das ganze Establishment bekämpfte ihn, weil er dem früheren Premierminister Laurent Fabius, der jüdischer Herkunft ist, eine „nicht ganz katholische Schnauze“ (oder auch: Fratze) bescheinigte. Doch von Paris lässt sich die rebellische Provinz der Ketzer, in der auch die Bauern rot sind, nicht unterwerfen. Georges Frêche, der Ausgeschlossene, verzeichnete einen Triumph, den er jetzt auf die ihm gemäße Weise feiert: Er lässt in Montpellier Skulpturen von historischen Figuren errichten.

Ein Unglück, das die Geschichte vergessen wird?

Der Reigen der „Grands Hommes“ hat soeben mit Charles de Gaulle, Churchill, Jean Jaurès und Roosevelt begonnen. Und mit Lenin! Vor dessen Statue erhebt Frêche auf dem Bild von der Einweihung triumphierend die Faust. Für das russische Fernsehen und die eigenen Wähler. In Frankreich hat die Präsenz Lenins für einen landesweiten Sturm der Empörung gesorgt. Dem Initiator kann es nur recht sein. „Man verwechselt die Politik mit der Moral“, entgegnet der Dissident seinen Kritikern. Mit der Oktoberrevolution und der Entkolonialisierung habe Lenin seinen Platz in diesem Garten der Geschichte mehr als verdient.

800 Kilo wiegen die Monumente, dreieinhalb Meter sind sie hoch. 200 000 Euro kostet jedes Stück. Sie sollen die Zeitgenossen dazu anregen, die Geschichtsbücher zu lesen, sagt Frêche. Im nächsten Jahr werden weitere Denkmäler hinzugestellt: Mandela und Gold Meir. Und mit ihnen Nasser und Mao. „Seine historische Größe kommt aus den zwanzig Jahren zwischen 1929 und 1949. Die kulturelle Revolution war ein Unglück, aber die Geschichte wird es vergessen“, prophezeit Frêche, der lange Maoist gewesen war. Wann kommen Idi Amin Dada, Pol Pot, Hitler und Stalin, ereifern sich die Gegner. Stalin steht tatsächlich auf dem Programm. Aber vor ihm müsste eigentlich der große Provokateur aus der Provinz selber an der Reihe sein.

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Jahrgang 1951, Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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