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Veröffentlicht: 16.10.2015, 17:24 Uhr

Reaktionen auf Lukas Bärfuss Sei gewarnt!

Wann hatten wir zum letzten Mal solch eine Wutrede? fragen sich Schweizer Medien nach dem am Donnerstag in der F.A.Z. veröffentlichten Warnruf von Lukas Bärfuss. Eine Presseschau.

© Helmut Fricke Ernsthaft: Schweiz-Kritiker Lukas Bärfuss

Mehrere tausend Mal ist der Essay von Lukas Bärfuss „Die Schweiz ist des Wahnsinns“ auf Facebook geteilt worden. Das berichtet auch der Schweizer nationale Rundfunk in einem Bericht über die Reaktionen, die er als „kleines Erdbeben“ einstufte. Die großen Zeitungen verwiesen noch am Tag des Erscheinens im Internet auf den Rundumschlag. Der „Tages-Anzeiger“ veröffentlichte zunächst einen Bericht und in der gedruckten Zeitung einen Kommentar seines Kulturchefs Guido Kalberer: „Wann hatten wir letztmals eine solche Wutrede?“

Kalberer war sich allerdings nicht zu schade, angebliche Fehler im Text zu korrigieren und die „Attackenattitüde“ des Verfassers zu rügen. Eine „Paranoia“ bescheinigt er Bärfuss. Die „Basler Zeitung“, zu deren Eigentümern Christoph Blocher gehört, reagierte mit einem Gegenangriff, in dem auch das „ernsthafte Aussehen“ des Schriftstellers als Argument herhalten muss. Sie dreht den Spieß gewissermaßen um: Für Bärfuss gäbe es außerhalb der Schweiz keine Welt. Und hätte er doch die literarischen Qualitäten eines Thomas Bernhard, dann wären wir zumindest so gut wie Österreich beschimpft worden.

Lieben Dank dafür

Der in der Schweiz sehr beliebte Schriftsteller Pedro Lenz, der auch in Mundart schreibt, veröffentlichte auf „watson“ einen offenen Brief: „Ich warne Dich vor der Rache derer, die Du herausforderst.“ Lenz erinnert an Frisch und Dürrenmatt. „Sie werden Dich plagen und anonyme Hassmails schicken. Auf Dich als Person werden sie zielen, so wie es die Intellektuellen-Jäger der ,Weltwoche‘ schon vorgemacht haben.“ Sie hatte Bärfuss kürzlich ein mieses Porträt gewidmet. Lenz: „Deine Worte im Essay haben . . . diese Kraft, die auf Leichtfüßigkeit beruht, sie schweben wie Schmetterlinge und stechen wie Bienen. Hab lieben Dank dafür.“

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Gelassen reagierte Roman Bucheli in der „NZZ“ - aus Distanz, aus Frankfurt: „An der Messe geschieht das Wesentliche aber immer anderswo. Am Donnerstag etwa in der ,Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘.“

In der F.A.Z. vom Samstag lesen Sie auf Seite 1 des Feuilletons eine Erwiderung von Roger Köppel.

Glosse

Arbeitsvergeudung

Von Dietmar Dath

Der Fleiß der Bienen ist sprichwörtlich. Wenn ihrem Eifer etwas in die Quere kommt, hat das handfeste gesundheitliche Gründe. Ganz anders hingegen die Fleißbienchen des modernen Arbeitslebens: ihnen steht die Ahnungslosigkeit ihrer Kollegen im Weg. Mehr 3 5

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