http://www.faz.net/-gqz-155xc

Raubkunst : Die neunzehnhundert Bilder des Hermann Göring

  • Aktualisiert am

Kunstsammler und Verbrecher: Hermann Göring Bild: AP

Hitlers Reichsmarschall raffte sehr viel mehr Gemälde zusammen, als bisher bekannt war. Nancy Yeide hat nun das erste vollständige Bestandsverzeichnis der Kunstsammlung Hermann Görings zusammengestellt: Ein Interview.

          Nancy Yeide hat das erste vollständige Bestandsverzeichnis der Kunstsammlung Hermann Görings zusammengestellt: Er raffte sehr viel mehr Gemälde zusammen, als bisher bekannt war (siehe auch: Kunst: Görings Beutezug).

          Ms. Yeide, Sie legen ein Buch vor, in dem Sie alle Gemälde, die sich im Besitz Hermann Görings befanden, beschreiben und ihrer Provenienz und ihrem Verbleib nachgehen. Wie kam dieses Projekt zustande?

          Es ist aus meiner Arbeit als Provenienzforscherin hier an der National Gallery of Art hervorgegangen. Als ich damit begann, die Nachkriegsgeschichte von einigen unserer Gemälde zu erforschen und dabei Unterlagen vor allem in den National Archives zu sichten, musste ich feststellen, dass es kein umfassendes Bestandsverzeichnis gab. Anfangs wollte ich nur meinen Kollegen in anderen Museen und Institutionen helfen, die nicht wie ich Zugang zu den Dokumenten hatten, aber das Vorhaben nahm allmählich viel größere Ausmaße an. Ich war mehr und mehr daran interessiert, den Bogen weiter zu spannen und Görings Sammlung als Ganzes zu untersuchen.

          Mit diesen Steinen aus einem mittelalterlichen Kloster wollte Göring eines seiner Anwesen schmücken

          Und damit fingen Sie vor sieben Jahren an?

          So ungefähr, ja. Es war nicht die einzige Aufgabe, die ich zu erfüllen hatte, aber in einem Forschungsjahr, das mir die National Gallery gewährte, habe ich nichts anderes getan.

          Was waren Ihre wichtigsten Quellen? Wo wurden Sie fündig?

          In amerikanischen und deutschen Archiven. In den National Archives hier in Washington werden, wie Sie wissen, die wichtigsten Unterlagen zur Nachkriegsrestitution aufbewahrt, und auch im Bundesarchiv in Koblenz hatte ich Einsicht in Akten über Nachforschungen, die von deutscher Seite nach dem Krieg unternommen wurden. Ich habe zudem in Archiven in Den Haag, London, Paris und in traditionellen kunsthistorischen Quellensammlungen wie jenen im Getty Center oder der Bibliothek der National Gallery geforscht. Es war alles mit viel Zeitaufwand und vielen Reisen verbunden.

          War aber nicht schon 1945 ein erster Versuch gestartet worden, ein Verzeichnis von Görings Kunstsammlung zu erstellen?

          Das Verzeichnis von 1945 listet nur die Werke auf, die damals von den Alliierten sichergestellt wurden. Es gab danach bedeutende Nachforschungsprojekte, und darauf konnte ich mich auch bei meiner Arbeit immer wieder stützen. Überhaupt habe ich den Einsatz zu schätzen gelernt, mit dem diese Nachforschungen betrieben wurden. Aber es war kein Verzeichnis vorhanden, das vor dem Krieg angelegt wurde. Aus dem Jahr 1940 stammt zwar eine Art Verzeichnis der Sammlung, aber es ist bloß ein Mischmasch von Papieren, die irgendwie in einem Ordner gelandet sind. Und es gibt unvollständige Listen von Gemälden, die Anfang 1945 aus Carinhall evakuiert wurden, und andere Listen konfiszierter Werke. Aus all dem musste ich nun das filtern, was, wie ich meine, als definitive Gesamtliste anzusehen ist.

          Worin bestanden für Sie die Hauptschwierigkeiten?

          Das waren Probleme, wie sie bei jeder Provenienzuntersuchung und bei jeder Arbeit mit Archivmaterial auftauchen. Unterlagen waren widersprüchlich, und die Bezeichnung von Werken war unterschiedlich und widersprüchlich, so dass bisweilen ein und dasselbe Werk unter verschiedenen Titeln aufgeführt oder verschiedenen Künstlern zugeschrieben wurde, von fehlerhaften Dimensionsangaben ganz zu schweigen. Die Forschungsarbeit selbst war natürlich auch nicht einfach, weil sie eben überall in der Welt stattfinden musste.

          Sie beschreiben in Ihrem Buch auch, wie Görings Sammlung zustande kam.

          Ja, das ist ein unentbehrlicher Teil der Provenienzforschung. Das Buch behandelt die Sammlung als Ganzes, und über ihre Zusammensetzung können sich die Leser darin auch visuell informieren, als befänden sie sich in einer Galerie. Es gibt darüber hinaus einen substantiellen Katalogteil, in dem die Provenienz und die von mir benutzten Archivquellen jedes einzelnen Werks beschrieben werden. Wenn ich etwas zu bedauern hätte, dann wäre es wohl, dass ich nicht über genügend Zeit verfügte, noch weiter zu gehen. Aber die Zeit drängte, und so bleibt auch für die künftige Forschung noch einiges übrig.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hohe Spritpreise : Benzindiebe gehen um in Deutschland

          Die hohen Benzinpreise sind nicht nur an der Tankstelle ärgerlich – es wird auch lukrativer, Sprit zu klauen. Die Polizei warnt inzwischen vor Benzindiebstählen in ungekanntem Ausmaß. Bei den Ermittlungen sind die Beamten meist machtlos.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.