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Rassismusvorwurf gegen Zeitung „Weltwoche“ Roma mit Pistole

 ·  Der Schweizer „Weltwoche“ wird vorgeworfen, mit einem drastischen Titelbild Roma gezielt in Zusammenhang mit Raub und Diebstahl gebracht zu haben. Das Magazin muss sich gegen Rassismusklagen wehren.

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© Screenshot Weltwoche Die „Weltwoche“ schießt scharf gegen Roma - und erntet heftigen Protest

Auf dem Titelbild ist ein Knabe mit Pistole zu sehen, die direkt auf den Fotografen gerichtet ist. Ergo auf den Leser zielt, der das Cover betrachtet. Scharf geschossen wird mit Worten: „Die Roma kommen: Raubzüge in die Schweiz.“ Ihnen ist die Titelgeschichte gewidmet, eine Auflistung von Verbrechen, deren die Roma bezichtigt werden: „Sie kommen, gehen und klauen.“ Dass die Taten ein beängstigendes Ausmaß angenommen haben und Kinder zu Tätern gedrillt, Frauen zur Prostitution gezwungen werden, bestreitet niemand. Es geht einzig um das Bild und die Schlagzeile, mit der die Roma gesamthaft als kriminelle Minderheit dargestellt werden.

Wegen Hetze und Rassismus sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehrere Klagen gegen Roger Köppels Wochenzeitung eingereicht worden. Der wohl erste Kläger war der Wiener Journalist Klaus Kamolz. Der Schweizer Medienjurist Peter Studer sprach von einem „unerhörten Bild mit rassistischen Zügen“, bezeichnet den Artikel indes als „sehr gut dokumentiert“. Die Eidgenössische Rassismuskommission wird den Fall untersuchen und das Blatt möglicherweise verurteilen. Auch der Presserat könnte eine Rüge erteilen. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat Anzeige erstattet.

Mit dem Thema hat das Bild wenig zu tun. Es entstand 2008 im Kosovo, wo Kinder auf einer vergifteten Mülldeponie spielen. Der Fotograf Livio Mancini war über die Verwendung nicht informiert. Die Zeitung zeigt sich erstaunt: „Das Coverbild symbolisiert den Umstand, dass Roma-Banden ihre Kinder für kriminelle Zwecke missbrauchen“, erklärt Philipp Gut, stellvertretender Chefredakteur. Darüber rege sich niemand auf: „Das ist, wenn schon, der Skandal.“ Die „Weltwoche“ befindet sich in einer schwierigen Phase. Sie leidet an Leserschwund. Die Schweizerische Volkspartei, deren Aufstieg sie beflügelte, befindet sich im Niedergang. Wegen der Informationen über ein Devisengeschäft des Nationalbank-Präsidenten kam es zu einer Hausdurchsuchung bei Christoph Blocher. Skandale sind das Brot des gebeutelten Blatts - vor den Roma nahm es sich der Genfer an: „Die Griechen der Schweiz“.

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Jahrgang 1951, Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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