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Deutscher Buchpreis : Lieber nicht!

Schriftsteller Ralf Rothmann Bild: dpa

Im August wird es im Literaturbetrieb erst richtig heiß. Ein Berliner Romancier jedoch will sich am stressigen Rennen um den Deutschen Buchpreis gar nicht erst beteiligen.

          Am 19. August, wenn die Longlist für den Deutschen Buchpreis bekanntgegeben wird, beginnt zugleich das Rennen um den Deutschen Buchpreis. Organisiert ist das Spektakel als öffentlicher Wettstreit, der sich über zwei Monate hinzieht und dabei auf allen Kanälen diskutiert, kommentiert und bewertet wird. Auf die Bekanntgabe der zwanzig Titel, die dieses Jahr aus 167 eingereichten Romanen ausgewählt werden, folgt am 16. September die Shortlist mit noch sechs Titeln, bis schließlich am Vorabend der Frankfurter Buchmesse, am 12. Oktober, die sechs Finalisten im Frankfurter Kaisersaal einem Ritual beiwohnen, das die österreichische Schriftstellerin Marlene Streeruwitz, selbst für den Preis 2011 nominiert, in einer Episode ihres Romans „Nachkommen.“ beschrieben hat: die Häme, den Tratsch, die Zumutungen an die Autoren und, vor allem, Autorinnen.

          Auch andere haben das Frankfurter Prozedere kritisiert. Der Büchner-Preisträger Wilhelm Genazino, Preiskandidat 2005 und 2011, sprach von „Missbrauch der Autoren und ihrer Bücher“. Nun könnte man einwenden, das Schicksal sei selbst gewählt. Dem Verfahren muss sich niemand stellen. Gleichwohl ist der Druck enorm, denn je mehr die Listen bestimmte Bücher ins Rampenlicht stellen, umso mehr verschwinden andere in der Unschärfe. Peter Handke, der 2008 mit der Erzählung „Die morawische Nacht“ für die Longlist nominiert war, ließ sich kurz darauf von der Liste wieder streichen. Daniel Kehlmann forderte im selben Jahr öffentlichkeitswirksam, die 2005 dem britischen Booker Prize nachgeahmte Auszeichnung einfach wieder abzuschaffen.

          Der Berliner Romancier Ralf Rothmann hat nun für sich eine ungleich elegantere Entscheidung getroffen. Er lässt sich von seinem Verlag erst gar nicht nominieren. Und auch die Bitte der Nachnominierung aus der Jury hat er abschlägig beschieden. Dabei zählt sein vor wenigen Wochen erschienener Roman „Im Frühling sterben“ zu den herausragenden Büchern dieses Jahres. Fragt man beim Berliner Suhrkamp Verlag nach dem Grund, lautet die knappe Antwort: „Er möchte lieber nicht.“ Ralf Rothmann hat in den letzten Jahren mehr als ein Dutzend Auszeichnungen erhalten, dem Preisgewese an sich steht er offenbar nicht kritisch gegenüber. Die Gelassenheit, ausgerechnet bei den Frankfurter hunger games nicht mitzuspielen, ist bemerkenswert. Für den Deutschen Buchpreis freilich ist das keine gute Nachricht. Denn die Auszeichnung gilt laut Börsenverein dem „besten deutschsprachigen Roman des Jahres“. Vielleicht sollte es künftig besser heißen: dem besten deutschsprachigen Roman, der eingereicht wurde.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

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