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Quadriga-Preis für Putin Prinzipienlos

 ·  Die Verleihung des Quadriga-Preises an Wladimir Putin steht im Gegensatz zur demokratischen Prinzipienfestigkeit früherer Preisträger. Sie lässt sich nur mit dem Wunsch nach einer weiteren Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen erklären.

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Wenn man die Russen in ihrer zynischen Gewissheit bestärken wollte, dass Europa eine prinzipienlose ältere Dame ist, hätte man sich in Berlin kaum Passenderes ausdenken können, als Wladimir Putin den Quadriga-Preis zu verleihen, der die Stärkung europäischer Werte wie Aufklärung, Engagement und Gemeinwohl würdigt. Putin, der sich auch als Premierminister die reale Macht im Staat sicherte und von dem viele Landsleute fürchten, dass er sich 2012 Jahr wieder und dann auf sechs Jahre zum Präsidenten wählen lässt, hat tatsächlich die deutsch-russischen Beziehungen stabilisiert, wie das Kuratorium des Netzwerks Quadriga jüngst erklärte. In Russland schaffte er Wahlen ab, gängelte Presse und Rechtssprechung, machte die Böcke der Geheimdienste zu Gärtnern der Nationalökonomie. Das traditionelle nationale Übel der Korruption geriet so vollends außer Kontrolle. Doch die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen florieren. Die Pipeline North Stream soll bald Gas von Wyborg nach Greifswald pumpen, Deutschlands Atomausstieg wird seine Abhängigkeit von russischem Gas und Öl verstärken.

Die Teufelsküche der russischen Politik

Der Moskauer Publizist Waleri Panjuschkin, dessen ausgewogene Studie zum Chodorkowski-Fall auch in Deutschland erschien, verbindet mit Europa den Traum von einer moralisch gezähmten Politik, die auch auf sein Land ausstrahlen könnte. Doch er ist ein Euromantiker. Die meisten seiner Kollegen sind längst überzeugt, dass es für Europa und zumal Deutschland in erster Linie um Russlands Rohstoffe geht, seinen Absatzmarkt, einige seiner besten Wissenschaftler. Das ist die apart nach Gas duftende Botschaft, die die Preisverleihung zum deutschen Nationalfeiertag an das Partnerland aussendet. Welch ein Kontrast zum Bekenntnis zu Demokratie und Menschenrechten der früheren Quadriga-Ehrungen von Michail Gorbatschow und Václav Havel.

Putin leite in die Zukunft im Geist Peters des Großen, begründet die Jury ihre Wahl. Wie diese aussehen soll, deutete der Regierungschef an, als er jüngst ankündigte, nach den bevorstehenden Dumawahlen, die zweifellos unter seiner Regie stattfinden, werde er sich „waschen, und zwar im hygienischen wie im politischen“ Sinn. Säuberungen sollen Transparenz ersetzen. Oder Schizophrenie. Der stellvertretende Chef der Präsidentenadministration, Kremlideologe Wladislaw Surkow, der Putins Doktrin von der „souveränen Demokratie“ erfand, schilderte in seinem Roman „Nahe Null“ die Teufelsküche der russischen Politik unter Pseudonym. Doch jetzt erklärte er, Putin sei, wie auch sein tschetschenischer Protegé Ramsan Kadyrow, dem Heimatland von Gott gesandt.

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14.07.2011, 08:46 Uhr

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Unsere Geschichten, nur anders erzählt

Von Andreas Platthaus

Mit Kafka teilte er die Einfühlung in das Schicksal der Bedrängten. Das Erfolgsrezept seiner Bücher könnte den Titel eines Aufsatzes tragen, den er 1993 veröffentlicht hat. Zum Tod von Gabriel García Márquez. Mehr 3 3