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Pulitzer-Preise : Nachrichtenfotos aus Ferguson prämiert

Den Preis für nachrichtliche Fotografie erhält die große Lokalzeitung von St. Louis, „The St. Louis Post-Dispatch“, für Bilder von den Demonstrationen und Straßenschlachten in der Vorstadt Ferguson, die um die Welt gingen. Bild: Reuters

Gleich drei der begehrten Pulitzer-Preise hat die „New York Times“ für ihre Ebola-Berichterstattung erhalten. Für ihre Nachrichtenfotos von den Unruhen in Ferguson wurde die Lokalzeitung „St Louis Dispatch“ ausgezeichnet.

          Als David Carr, der Medienkolumnist der „New York Times“, am 12. Februar plötzlich starb, erinnerten viele seiner Kollegen in ihren Nachrufen an einen denkbar kurzen, hingeworfenen Kommentar Carrs, der in seiner Zeitung nie hätte gedruckt werden können, weil die Wörter „shit“ und „fucking“ darin vorkamen. In dem Dokumentarfilm „Page One“ über den Arbeitsalltag der „New York Times“ sieht man Carr, wie er ein Interview mit den Machern von „Vice Media“ führt, einem Leitmedium des Online-Sensationsjournalismus. Es geht um eine Afrika-Reportage, die bei CNN lief und Liberia als Land des hygienischen Ausnahmezustands schilderte.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in München und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Einer der „Vice“-Chefs spazierte höchstpersönlich über den verschmutzten Strand und erzählt, alle Gesprächspartner hätten vom Kannibalismus gesprochen. Als er der „New York Times“ vorwirft, sie habe in der gleichen Zeit über die Lage des Surfens in Liberia berichtet, wird er von Carr unterbrochen: „Moment mal, Pause! Bevor Sie je dorthin gefahren sind, hatten wir Reporter im Land, die über einen Völkermord nach dem anderen berichteten. Dass Sie sich einen blöden Safarihelm aufgesetzt und ein paar Scheißhaufen angesehen haben, gibt Ihnen noch nicht das Recht, unsere Arbeit zu beleidigen. Reden Sie weiter!“

          Zwei Preise für die „New York Times“

          Die Auswahl der Pulitzer-Preisträger für das Jahr 2015, die am Montag in New York bekanntgegeben wurden, bringt nun postume Genugtuung für Carr, den schmerzlich vermissten Drastiker, der Medienkritik immer als Selbstkritik betrieb, aber auf Selbstachtung nicht verzichten mochte. Seit 1917 vergibt die Columbia-Universität die Preise, die auf eine Stiftung von Joseph Pulitzer, dem aus Ungarn eingewanderten Verleger der „New York World“, zurückgehen. In diesem Jahr heben die Preisrichter das Genre der aus Recherchen an unwirtlichem Ort schöpfenden Artikelfolge hervor: Gleich zwei Preise, in den Kategorien der Auslandsberichterstattung und der Fotoreportage, erhält die „New York Times“ für ihre Berichte aus dem Ebola-Katastrophengebiet.

          Die Zeitung schickte eine Ärztin nach Liberia: Sheri Fink, Pulitzer-Preisträgerin des Jahres 2010. 2009 hatte das Magazin der „Times“ ihre Reportage über die Entscheidungen über Leben und Tod gedruckt, die das Personal eines Krankenhauses in New Orleans vier Jahre vorher getroffen hatte, nach dem Hurrikan Katrina. Die 576 Seiten starke Buchfassung dieser Geschichte erschien 2013: eine erschütternde Grenzfallstudie zur Medizinethik. Diesmal hebt die Pulitzer-Jury Frau Fink nicht namentlich heraus: Die Ebola-Recherchen waren eine Teamarbeit.

          Ebola-Berichterstattung ausgezeichnet

          Als die Krankheit bei einzelnen Menschen auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten diagnostiziert wurde, brach eine Panik aus, als deren Überträger Journalisten eine unrühmliche Rolle spielten. Die sogenannten Nachrichtensender im Fernsehen brachten in der Großbuchstaben-Rubrik der „Breaking News“ ununterbrochen Spekulationen angeblicher Experten. Sheri Fink und ihre Kollegen suchten den Anfangspunkt der Ansteckungsketten auf, um die Gerüchte durch Tatsachen zu ersetzen. Leitartikler der „Washington Post“ prägten in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts das Wort von der Zeitung als dem „ersten Rohentwurf der Geschichtsschreibung“ - es findet sich etwa in einem Kommentar zu den Pulitzer-Preisen des Jahres 1949. Die Ebola-Artikel der „New York Times“ verwendeten auch die Erklärungsmittel, die bei einem so komplexen Gegenstand wie der Ausbreitung einer Seuche heute zum „state of the art“ bei den Historikern gehören, insbesondere Karten und Schaubilder.

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