Home
http://www.faz.net/-gqz-75lau
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Prozess um Ottfried Fischer Der Prozess ermüdet

Im Nötigungsprozess um Ottfried Fischer empfehlen die Richter eine „pragmatische Lösung“. Ein auch presserechtlich relevanter Prozess könnte so ohne abschließendes Urteil enden.

© dapd Vergrößern Der Nötigungs-Prozess um Ottfried Fischer scheint auf ein unspektakuläres Ende hinauszulaufen

Der Prozess, den der Schauspieler Ottfried Fischer gegen einen früheren Redakteur der „Bild“-Zeitung führt und in dem es um die Grenzen von Pressefreiheit und Persönlichkeitsrechten geht, könnte vorzeitig enden. Das sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht München am zweiten Verhandlungstag des Revisionsprozesses, der seit Mitte Dezember 2012 in nunmehr vierter Instanz verhandelt wird. Einer der Verfahrensbeteiligten habe dem Gericht den Vorschlag gemacht, den Rechtsstreit „im Sinne einer pragmatischen Lösung“ beizulegen, hieß es. Denkbar sei, dass der Angeklagte eine Summe von dreitausend Euro an die Deutsche Kinderkrebshilfe zahle. Für die Verteidigung kam der Vorschlag überraschend. Binnen zwei Wochen müssen sich die Parteien äußern. Ein ähnlicher Vorschlag war im Verfahren zuvor abgelehnt worden. Akzeptieren die Parteien diesmal, könnte ein auch presserechtlich relevanter Prozess ohne abschließendes Urteil enden.

2009 hatte der „Bild“-Mitarbeiter ein Video erworben, das den Schauspieler beim Verkehr mit zwei Prostituierten zeigen soll, und Fischers damalige Presse-Agentin davon in Kenntnis gesetzt. Diese vereinbarte daraufhin ein Exklusiv-Interview mit der Zeitung. Fischer, der als Nebenkläger auftritt, beschuldigt „Bild“, ihn mit dem Film erpresst zu haben. Er habe eine Veröffentlichung gefürchtet und sich in seiner beruflichen Existenz bedroht gefühlt. Der Angeklagte und zuletzt auch die frühere PR-Beraterin bestreiten dagegen, dass jemals mit der Publikation zu rechnen gewesen sei.

Mehr zum Thema

Im Oktober 2010 hatte ein Münchner Amtsgericht den Journalisten zu einer Geldstrafe von 14400 Euro verurteilt. Das Landgericht hatte das Urteil aufgehoben, das Oberlandesgericht zurückverwiesen. Zuletzt hatte der frühere Bundesverfassungsrichter Hassemer in einem Gutachten im Auftrag des Springer-Verlags gemahnt, das Verfahren argumentiere rein strafrechtlich, obwohl es darum gehe, welches journalistische Vorgehen vom Grundrecht der Pressefreiheit gedeckt sei. Zeugen wurden am zweiten Verhandlungstag nicht gehört. Sollte es nicht zu einer vorzeitigen Einigung kommen, sollen Ende Januar einer der Rechtsanwälte Fischers, die ihn in 2009 in Pressefragen beraten haben, und der Zuhälter gehört werden, von dem die „Bild“-Zeitung das Video erworben hat.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mann legt Geständnis ab Mit elektronischer Fußfessel auf Einbruchstour

Sogar noch mit Fußfessel brach ein 32 Jahre alter Mann fünf Mal in Frankfurt ein. Der Schaden beläuft sich auf 15.000 Euro. Er plädiert auf eine Bewährungsstrafe. Mehr

14.08.2014, 17:25 Uhr | Rhein-Main
Mollath-Prozess Das Urteil steht schon fest

Morgen wird im Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath das Urteil gesprochen. Der Freispruch ist sicher. Fraglich bleibt nur, welche Erklärung das Gericht liefert. Mehr

13.08.2014, 15:09 Uhr | Politik
Fall Mollath Jetzt soll es auch einmal gut sein

Sicher ist: Der Prozess gegen Gustl Mollath wird mit einem Freispruch enden. Und dieses Mal wird er auch in die Freiheit entlassen. Aber Mollath will mehr: einen Freispruch erster Klasse. Mehr

08.08.2014, 22:14 Uhr | Politik

Kate Bushs Bitte

Von Jan Wiele

Gesucht: Ästhetische Erfahrung, die keiner filmt. Der Smartphone-Filmwahn bei Konzerten kann im Dunkeln ein Lichtermeer bescheren - ist meist aber nur nervig und ohne jeden Nutzen. Mehr