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Projekt Mittelerde Heidi und der kleine Hobbit

Madoff und Mittelerde: Bernd Greisinger war einmal ein Börsenstar. Jetzt hat er eine neue Phantasie - ein unterirdisches Hobbit-Museum in der Schweiz.

© Bernd Greisinger

In der Höhle des kleinen Hobbit werden Fans dereinst leibhaftig übernachten können. Sie wird im schweizerischen Graubünden unter der Erde nachgebaut. Ihr Modell ist der Film „Der Herr der Ringe“ gebaut. Wie authentisch ihre Ausstattung erfolgt, demonstriert der Hausherr der Höhle gleich mit einer kleinen Privatvorführung im Kino, das bereits funktioniert. Das Tor aus Eiche, jedes Eisen am richtigen Platz - echt wie in Peter Jacksons Verfilmung. Sie hat Bernd Greisinger auf den Weg gebracht. Die Fantasy-Szene kennt ihn als größten Sammler von „Mittelerde“, wie Tolkien sein literarisches Universum benannt hat. Dass er auch sonst schon Schlagzeilen gemacht hat, war uns beim etwas überstürzten Besuch in Jenins nicht bekannt. Es galt, dem Start des neuen Films „Der kleine Hobbit“ zuvor zu kommen.

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Vom Bahnhof Landquart aus fährt das Postauto im Schneetreiben nach Jenins. Bei der Haltestelle „Sonne“ aussteigen, hat Greisinger am Telefon erklärt. Nur wenige Minuten dauert der Fußweg zu seinem Dreifamilienhaus, das sich der Vater zweier Kinder vor ein paar Jahren in der „Bündner Herrschaft“ auf einem Grundstück von dreieinhalbtausend Quadratmetern gebaut hat. Sie ist für ihre guten Weine bekannt. Frau Greisinger führt den Besucher an einer riesigen Garage vorbei in die unterirdischen Gefilde. Hier wird er von Bernd Greisinger, 48 Jahre alt, in Empfang genommen. Dessen Vater - und Vizepräsident - weicht keine Sekunde von der Seite des Sohnes.

„Mit Geld Geld verdienen“

Die Greisingers stammen aus Mainz. „Bei der Bundeswehr“, blickt der Museumsgründer zurück, „konnte ich schon als junger Mensch die Führung von Menschen lernen.“ Der Unteroffizier spielte mit dem Gedanken, Lehrer zu werden. Doch deren Einkommen entspricht nicht seinen Vorstellungen. Noch bei der Luftwaffe hatte er „festgestellt, dass mich Finanzen interessieren, dass man mit Geld Geld verdienen kann. Und dass es funktioniert.“ Er verkaufte Versicherungen und ging dann zur Mainzer Sparkasse. Sehr schnell habe man ihn in die Anlageberatung geholt, „wo die Leute erst nach zehn oder fünfzehn Jahren hinkommen. Nur, bei der Bank verdient man auch nicht viel, und ich wollte nicht ewig warten, um Bankdirektor zu werden.“ Er machte sich selbständig.

Zu Beginn des dritten Jahrtausends wurde aus Bernd Greisinger ein Börsenstar. Als nach dem Attentat auf das World Trade Center in New York die Kurse zusammenbrachen, legten seine Fonds jedes Jahr zu. Er wurde von Nachrichtensendern wie n-tv und N24 interviewt. Im Jahr 2003 kam „die Nominierung zum Fondsmanager des Jahres“ und er wurde, wie er erzählt, von einer Zeitschrift zur nächsten gereicht. Damals erschien auch im Finanzmarkt dieser Zeitung ein Porträt des „Außenseiters aus Mainz-Hechtheim“, der „die Dachfonds-Konkurrenz düpiert“ und dessen Büro „mehr an eine Wohnung erinnert“: Luftschlangen auf dem Tisch, Karnevalsorden an der Wand. „Das Zauberwort heißt Gewinnmitnahme“, wurde Greisinger zitiert.

Fantasy und Rollenspiele

Es sind die Jahre, in denen „Der Herr der Ringe“ in die Kinos kommt. Greisinger hatte den Roman nicht gelesen, der Film fasziniert den gefeierten Börsenstar und verändert sein Leben. Ein Spielertyp war das gefeierte Wunderkind der Finanzbranche schon immer, „Karten bis Schach“, Schwerpunkt Taktik und Strategie. In den neunziger Jahren begeisterte sich der Dreißigjährige für Fantasy-Rollenspiele. Nicht nur am Tisch. Auch draußen, in der freien Natur. Ganze Wochenenden lang. „Im Wald, auf der Burg, in Jugendherbergen. Da gibt es die Spielleitung, die den Rahmen absteckt. Und irgendwelche Feinde, die es zu bezwingen gilt. Magier, Elfen, Ritter, Krieger. Mit Speer und Schild und gespielten Verletzungen, die geheilt werden können oder auch nicht.“

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