03.02.2005 · Die Kultusminister haben eine Prognose über die Schüler- und Hochschulabsolventenzahlen bis 2020 vorgelegt. Demnach gibt es deutlich weniger Schüler, aber erst einmal mehr Studienberechtigte.
Von Jürgen KaubeSoeben hat die Kultusministerkonferenz (KMK) eine Prognose der Schüler- und Hochschulabsolventenzahlen in Deutschland bis zum Jahr 2020 vorgelegt. Für die Entwicklung des Lehrerbedarfs und der Hochschulausstattung liefern diese Zahlen die wichtigste Grundlage.
Der Prognose zufolge wird schon im Jahr 2010 die Zahl der Schüler an deutschen Schulen, verglichen mit dem Jahr 2003, um eine Million auf 11,5 Millionen zurückgegangen sein. Für 2020 wird mit einem weiteren Rückgang in dieser Größenordnung gerechnet.
Besonders stark sind die Rückgänge dabei in den neuen Bundesländern, wo verstärkte Abwanderung junger Familien dafür sorgt, daß mit deutlich niedrigeren Geburtenraten als bisher gerechnet werden muß. Die Schülerzahlen im Westen verhalten sich gegenläufig, erreichen aber schon in diesem Jahr ihren Höchststand und fallen danach deutlich ab, weil dann die Kinder der geburtenschwachen siebziger Jahre das Gros der Eltern stellen.
Zwanzig Prozent weniger Schüler 2020
Um fast zwei Millionen, also um mehr als zwanzig Prozent, wird, von heute an gerechnet, die Schülerschaft 2020 in den alten Bundesländern abgenommen haben. Da sich demographische Entwicklungen zuerst in den Schulen und dann in den Hochschulen niederschlagen, verläuft die Entwicklung an letzteren zunächst gegenläufig. Von 2005 bis 2013 wird sich die Zahl derjenigen mit Hochschul- und Fachhochschulreife zunächst von 387.000 auf 429.000 erhöhen.
Eine besondere Auswirkung auf die Absolventenzahlen hat dabei laut KMK die schrittweise Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von dreizehn auf zwölf Jahre, die von fast allen Bundesländern beschlossen worden ist. Zwischen 2008 und 2013 sorgt sie dafür, daß doppelte Abiturientenjahrgänge von der Schule abgehen. Erst danach nimmt die Zahl der Studienberechtigten wieder ab, um 2020 dann etwas unterhalb ihrer gegenwärtigen Höhe zu liegen.
Gedränge in den Hörsälen
Vorausgesetzt ist bei alldem, daß sich das Bildungsverhalten selbst, also beispielsweise die Neigung, von einer Schulform zu einer anderen zu wechseln, nicht ändert. Wenn sich hingegen in nächster Zeit die bildungspolitischen Absichten verwirklichen sollten, nicht ein Drittel, sondern vierzig Prozent eines Geburtenjahrganges an die Hochschulen zu bringen, ist noch mit deutlich mehr Gedränge in den Hörsälen zu rechnen.
Die KMK teilt ausdrücklich mit, daß sie eine solche Erhöhung der Zahl der Studienberechtigten anstrebt. Was sie im Zusammenhang mit den Prognosen nicht mitteilt, ist ihre politische Einschätzung der Chancen dafür, daß auch die entsprechend nötigen Mittel zur Verfügung stehen werden.
Vielleicht ist ihre Rechnung ja diese: Immer weniger Schüler treffen in den nächsten Jahren auf immer mehr, allerdings nur per Zeitvertrag eingestellte Lehrer, die zwar an immer volleren und immer ärmeren, doch dafür mit immer mehr Didaktik-Lehrstühlen ausgestatteten Universitäten ausgebildet worden sind, wodurch sie - die Schüler - immer besser werden, was zu immer mehr Hochschulzugangsberechtigten führt, die den rein geburtenbedingt zu erwartenden Rückgang dieser Gruppe auffangen. Auf diese Weise könnte man aus Zahlen, die dramatisch anmuten, sogar herauslesen, daß im Grunde alles so bleiben kann, wie es ist, wenn man nur - was erfreulicherweise auch fast nichts kostet - mehr Bildungszertifikate unter der schrumpfenden Bevölkerung verteilt.