13.02.2012 · Nicht alles was gut ist, ist perfekt: Ohne die Unvollkommenheit in der ARD-Sendung „Thomas Live“ wären Überraschungen und geistreiche Witze verloren. Eine Hommage an Thomas Gottschalks Vorabendsendung.
Von Lorenz JägerWer legt noch ein gutes Wort für Thomas Gottschalk ein? Die Quoten seiner Vorabendsendung „Gottschalk Live“ sind verheerend. Was wirft man ihm nicht alles vor? Mal ist er zu abgehoben, mal verlegt er ein Karteikärtchen, mal redet er seinen Gast „Annette Engelke“ an. Jede Werbepause, bei der er die Sekunde verpasst, gilt schon als mittlere Katastrophe. Und doch: Es gibt im deutschen Fernsehen derzeit kaum Schöneres, im Vorabendprogramm schon gar nicht. Wer sich die Zeit beim Kochen und Tischdecken vertreiben will, kann natürlich auch „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ einschalten, aber er wird dort sicher weniger unterhalten.
Gottschalk aber bringt jedes Mal Überraschungen. Die sind ohne Improvisieren und Unvollkommenheiten nun einmal nicht zu haben. Darf man sagen, dass die Sendung geistvoll ist (meistens jedenfalls)? Dass sie auf intelligente und witzige Art Themen des Tages (Geburtstag von Gerhard Richter, Vegetarismus nun auch im deutschen Bundestag) zusammenmontiert mit, jawohl und durchaus, philosophischen Anliegen? Manches klappt nicht in der Sendung, na und? Sollten denn wirklich nur noch die perfekt lackierten Nullen im Fernsehen eine Chance haben?
Nina Hagen war es, die in der Sendung vom 8.Februar das weiseste Wort über „Gottschalk live“ aussprach: „Es müssen sich nur alle dran gewöhnen.“ In dieser Sendung wurde über die Bibel und über Bekenntnisse geredet - ohne einen Moment der Peinlichkeit. Gottschalk versöhnt uns nachträglich mit dem Nichtperfekten, mit dem Subjektivismus und Spiritualismus der Wohngemeinschaften der siebziger Jahre. Als Nina Hagen die Gitarre nahm und Gottschalk die seine, als sie dann ihre deutsche Version von Bob Dylans „One more cup of coffee for the road“ sang - „Noch ein Tässchen Kaffee mit auf den Weg“ -, da waren wir wunschlos glücklich. Einschalten! Bevor leider bald alles zu Ende sein wird.
was Thomas Gottschalk zum 80. Geburtstag von Gerhard Richter sagte:
Werner Schnell (WernerSchnell)
- 14.02.2012, 18:47 Uhr
Nie gesehen, aber...
Theodor Wedel (TheodorWedel)
- 14.02.2012, 15:31 Uhr
Huldigung an Zerlino
Eckhard Freise (kampfstrampler)
- 14.02.2012, 15:21 Uhr
belanglos
Harry Pastorius (ookk)
- 14.02.2012, 14:07 Uhr