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Pro Fatale Konsequenz

25.10.2008 ·  Es wäre ein Leichtes fürs ZDF gewesen, Elke Heidenreichs Kritik zu kontern, sich zusammenzusetzen und gemeinsam zu überlegen, wie es weitergehen kann. Der Sender ahnt noch gar nicht, was er verloren hat. Es gab keine Wahl?

Von Volker Weidermann
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Das war damals, als das alles begann. Als Elke Heidenreich ihre ersten „Lesen!“- Sendungen hatte und unglaublich viele Menschen zuschauten und eine noch viel unglaublichere Zahl an Menschen danach in die Buchhandlungen lief, um die von ihr empfohlenen Bücher zu kaufen.

Feuilletonisten, die ob der totalen Wirkungslosigkeit der eigenen Texte schon lange verzweifelt waren, rätselten herum, wie die Frau das macht, rätselten und rätselten und kamen nicht drauf. Ich rätselte auch und schrieb ihr ein Fax. „Was ist das Geheimnis, Frau Heidenreich?“, habe ich sie damals gefragt, und sie schrieb mit dickem Filzstift auf das Fragefax nur ein Wort zurück: „Glaubwürdigkeit.“

Was für eine Winzigkeit

Das war die Formel ihres Erfolgs, die Grundlage von all dem, was die Sendung zur wirkungsvollsten Literatursendung gemacht hat, die das deutsche Fernsehen bislang gesehen hatte. Ein Erfolg, mit dem ihr Sender sich stolz geschmückt hat. Es ist schon sonderbar, jetzt von allen Seiten zu hören, ihre fristlose Entlassung sei die logische Konsequenz ihres Wutausbruchs gewesen, der das Fernsehen insgesamt sowie ihren Arbeitgeber und dessen Führungspersonal im Besonderen zum Ziel hatte.

Was für eine fatale Konsequenz! Und was für eine Blindheit nicht zu sehen, dass diese Wut, diese Trauer, diese Scham die andere Seite jener Elke Heidenreich ist, in deren Glanz man sich jahrelang gesonnt hatte. Eine Seite, ohne die es die erste nicht geben kann. Was für eine Winzigkeit hätte es für den Sender bedeutet, die Kritik zu kontern, sich zusammenzusetzen und gemeinsam zu überlegen, wie es weitergehen kann, mit der Sendung, mit dem Fernsehen, der Kultur im Fernsehen. Sie ahnen noch gar nicht, was sie verloren haben. Es gab keine Wahl? Das ist nicht wahr.

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Jahrgang 1969, verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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