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Privatuniversität Witten/Herdecke Bescheidene Retter

 ·  Die Privatuniversität Witten/Herdecke ist der drohenden Insolvenz entgangen, doch ihre Lage bleibt klamm. Land, Kommune und Sponsoren einigten sich auf einen Rettungsplan, der vor allem durch seine Bescheidenheit auffällt.

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In den fünfziger Jahren besaß Nordrhein-Westfalen vier Hochschulstandorte: Aachen, Bonn, Köln und Münster. Heute sind es nach diversen Neugründungen, Aufteilungen und Aufwertungen vierzig – einer davon ist Witten. Fast wäre es nun einer weniger geworden, und zwar Witten. Dort residiert seit 1983 die erste deutsche Privatuniversität, wobei privat heißt, dass sie nicht auf staatliche Initiative gegründet wurde, aber natürlich trotzdem vom Land mitfinanziert wird, zu bisher fünfzehn Prozent.

Das wäre Witten/Herdecke im vergangenen Dezember beinahe zum Verhängnis geworden, als aus Düsseldorf mitgeteilt wurde, die Universität habe keine korrekten Wirtschaftspläne vorgelegt, weshalb die Landeszuwendung nicht erfolgen könne. Dann ging alles sehr schnell: Der Universitätspräsident und sein Stellvertreter traten zurück, die Studenten demonstrierten, und das private Modell bewährte sich insofern, als binnen einer Woche eine Bürgschaft über zehn Millionen Euro beschafft werden konnte, die den Weiterbetrieb der Hochschule bis Mitte Januar garantierte.

Die Lage bleibt klamm

Vorgestern war Mitte Januar schon ein paar Tage vorüber, und es stand in Witten die entscheidende Sitzung mit Vertretern von Land, Kommune und Sponsoren an. In der Nacht zum Freitag einigte man sich dann auf einen Rettungsplan. Daran sind wir ja längst gewöhnt. Auffällig ist indes die Summe, um die es geht: durch ihre Bescheidenheit. Das Land gibt 2009 und 2010 zusammen 4,5 Millionen mehr als bisher, die Studiengebühren der 1200 Studenten werden angehoben, und der Kreis der mit Witten/Herdecke als Sponsoren verbundenen Unternehmen und Institutionen soll erweitert werden. Allerdings haben drei neue Partner, die in ersten Berichten genannt wurden, bereits dementiert: die katholischen Diözesen Essen, Paderborn und Rottenburg-Stuttgart.

Für die weltanschauliche Neutralität der Hochschule gut, für die klamme Lage nicht. Dennoch ist es schön, dass von all den Unsummen, die vom Staat zur Belebung der Wirtschaft, Absicherung von Krediten und Überbrückung von Liquiditätsengpässen bereitgestellt werden, ein paar Promillebruchteile nun auch in Witten/Herdecke ankommen. Dass dort schlampige Buchhaltung herrschte, ist eindeutig, aber man kann den Vertretern der Hochschule weder kriminelle Energie noch Hybris vorwerfen. Die Geschichte der Universität ist seit sechsundzwanzig Jahren eine Geschichte von Finanzierungskrisen. Diese Erfahrung ist wert, erhalten zu bleiben. Wir werden solche Expertise brauchen.

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Jahrgang 1966, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Bilder und Zeiten“.

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