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Porträt Vom unglaublichen Erfolg des "Schwarzmalers" Neo Rauch

23.04.2001 ·  Der Kunstmarkt feiert die verstörenden Bilder von Neo Rauch. Dem Maler selbst ist das suspekt, ihn verstört der Erfolg.

Von Katja Blomberg
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"Randgebiete" nennt der Leipziger Maler Neo Rauch seine eben eröffnete Schau in der Deutschen Guggenheim Berlin. Seit geraumer Zeit faszinieren ganz besonders diese Randgebiete das internationale Kunstpublikum.

Neo Rauch sucht die Themen seiner Malerei an den Rändern der Horizonte. Sowohl in zeitlicher wie in räumlicher Hinsicht interessiert ihn das Chaos zwischen Erinnerung und Zukunft. Zwischen dem, was er in der DDR erlebt hat und dem, was er heute so sieht. Seine Bilder sind bunt. Er selbst ist ein Schwarzmaler. Seiner Meinung nach ist unsere Gegenwart schon ins Chaos umgekippt, ohne, dass wir davon wissen.

Sammler kaufen

Dabei könnte der 41-Jährige triumphieren: Seit zwei Jahren ist er über die Galerie "Eigen + Art" (Berlin, Leipzig) auf allen internationalen Kunstmessen vertreten. Er hat in New York bei David Zwirner ausgestellt. Seine Bilder werden regelmäßig von der Deutschen Bank angekauft, und sie hängen beim Bundespräsidenten in Schloss Bellevue. Sammler kaufen ihm das Atelier leer, und seit Herbst letzten Jahres reist seine erste große Retrospektive von Leipzig aus über München nach Zürich. Es gibt es kein Halten mehr, der Markt feiert seine verstörenden Bilder. Aber er selbst will von dem ganzen Trubel nichts wissen.

Rauch ist das suspekt

Den bodenständigen Sachsen, dessen zwei x drei Meter messende Leinwände mit 90.000 Mark veranschlagt werden und dessen Papierarbeiten, je nach Größe immerhin schon 14.000 bis 60.000 Mark kosten, zieht es in sein Atelier, als würde er den Erfolg meiden, wie der heilige Antonius das Teufelsweib. Bei seiner jüngsten Ausstellungseröffnung in der Deutschen Guggenheim Berlin vor wenigen Tagen wäre Rauch am liebsten schon vorher abgereist. In New York ging es ihm nicht anders. Erfolg ist ihm suspekt, scheint vom Eigentlichen abzulenken, ihn zu schwächen. Im Übrigen kann alles ja nur schlechter werden, wenn es einmal gut ist.

Dem Galeristen sei Dank

Rauch malt in einem Randbezirk von Leipzig Bilder nach inneren Projektionen. Sie stammen aus der unmittelbaren Anschauung, oder es sind erinnerte Bilder, die eng mit der Welt des Comics zu tun haben. Nie malt er nach Fotografien oder fertigt Skizzen an. Zu viele Bilder stürmen heran und wollen verarbeitet sein. Zum Glück kümmert sich sein Sandkistenfreund Harry Lübke um die Vermittlungsarbeit. Dessen Galerie "Eigen + Art", die noch zu DDR-Zeiten in Leipzig startete und inzwischen in Berlin-Mitte etabliert ist, setzt sich entschieden für Neo Rauch ein. Ohne sie würde das Kunstpublikum ein großes Malertalent aus der ehemaligen DDR bis heute wahrscheinlich nicht kennen.

Nach Jeff Koons und Günther Förg ist nun Neo Rauch in den Ausstellungsräumen Unter den Linden eingezogen. Damit zieht nicht nur ein weiterer Gegenwartsmaler mit großen Formaten ins Guggenheim-Imperium ein. Die Einladung ergibt ein Ranking, das auch von Fachleuten ernst genommen wird. So reiste die zweite Direktorin des Guggenheim Museums zur Pressekonferrenz aus New York an. Statt mit einem Plakat, kehrte sie mit einem Ankauf für das New Yorker Stammhaus in die Vereinigten Staaten zurück.

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