12.03.2003 · Die Rolling Stones dürfen erstmals in China auftreten. Aber sie sollen ihre Seele verkaufen und auf einige ihrer klassischen Songs verzichten.
Die chinesische Regierung will nicht, dass die Rolling Stones einige ihrer bekanntesten Songs spielen. Grund: Sie enthielten sexuelle Anspielungen.
Am 1. April in Schanghai wollen die Rolling Stones ihr erstes Konzert in China geben, ein Konzert in Peking soll am 4. April folgen. „Honky Tonk Woman“, „Brown Sugar“, „Beast of Burden“ und „Let's Spend the Night Together“ werden wohl aus dem Programm gestrichen, sollten sich die Musiker den Wünschen der chinesischen Regierung beugen.
Das chinesische Kulturministerium hat die genannten Stücke auch bereits von einem Album entfernen lassen, das EMI Records China dieses Jahr herausgebracht hat - die erste legal in China veröffentliche Platte der Rolling Stones. Raubkopien sind auf dem chinesischen Markt selbstverständlich erhältlich.
„Es ist Zeit, dass sie uns reinlassen“, sagte der Stones-Gitarrist Keith Richards. Vielleicht spielt er damit auf „Rip This Joint“ an. Er komponierte das Lied gemeinsam mit Mick Jagger 1971, also kurz nachdem sie ein erstes Mal in China auftreten wollten und abgeblitzt waren.
Save your soul
Das Lied schildert einen Zwiespalt ähnlich dem, wie ihn die Stones jetzt wohl empfinden müssen: „Mama says yes, Papa says no / Make up you mind 'cause I got to go“. Doch müssen sie wirklich gehen? Dürfen sie es? In den Augen ihrer Fans würden sie sich unmöglich machen, wenn sie sich der albernen Zensur unterwürfen. Sie sollten lieber ihrem eigenen zweideutigen Rat folgen: „Rip this joint, going to save your soul“.
Letztlich kann man überall sexuelle Anspielungen herauslesen, sogar aus den folgenden Versen: „Mister President, Mister immigration man / Let me in, sweetie, to your fair land“. Lass mich rein, Baby: „Come on, baby, won't you let it rock?“
Was bliebe vom Rock'n'Roll eigentlich übrig, wenn man den Sex abzöge?