04.05.2006 · MTV macht es spannend. Nach der Debatte über das Für und Wider der Zeichentrickserie „Popetown“ will die Geschäftsführung von MTV Anfang kommender Woche erklären, ob sie die übrigen Folgen der Serie zeigt.
Der Musiksender MTV macht es spannend. Nach der Debatte über das Für und Wider der Zeichentrickserie „Popetown“ will die Geschäftsführung von MTV Anfang kommender Woche erklären, ob sie die übrigen Folgen der Serie zeigt. „Ich wünsche mir, daß wir ausstrahlen“, sagte dazu der Programmdirektor Elmar Giglinger, „wenn das nicht mein Wunsch wäre, hätten wir die Serie nicht eingekauft.“
Damit dürfte das letzte Wort nicht gesprochen sein, auch wenn nicht zu erwarten ist, daß sich MTV von Einwänden der Kritiker oder dem Zuschauerbild beeindrucken läßt. Es könnte vielmehr darauf ankommen, ob sich die Werbepartner des Senders für das Krawallprogramm erwärmen. Die Abwägung des Senders dürfte auf die Frage hinauslaufen, in welchem Verhältnis Imagegewinn und möglicher wirtschaftlicher Verlust zueinander stehen. Intern verbucht MTV „Popetown“ und die Debatte als Seriositätsgewinn, mag unsereinem das als Provokation um der Provokation willen ohne künstlerischen Anspruch erscheinen. MTV will weg vom Image, nur die Charts abzuspulen, coole Avantgarde ist das Image-Ziel. Und was tut man nicht alles fürs Image?
380.000 Zuschauer
Das Erzbistum München und Freising war mit dem Versuch gescheitert, die Ausstrahlung von „Popetown“ zu verhindern. Es ging um die Frage, ob es sich bei der Serie um einen Verstoß gegen Paragraph 166 Strafgesetzbuch handelt, der die Verunglimpfung religiöser Bekenntnisse unter Strafe stellt, so diese geeignet ist, die öffentliche Ordnung zu beeinträchtigen. Das erschien dem Landgericht München „doch mehr als fraglich“. Das Erzbischöfliche Ordinariat München meint, der Entscheid mache deutlich, „daß die Politik zum Handeln herausgefordert ist, eine gesetzliche Regelung zu schaffen, die einen wirkungsvollen Schutz religiöser Bekenntnisse vor Verunglimpfung gewährleisten kann“.
MTV teilt mit, daß der „Popetown“-Abend 12.500 Online-Kontakte zeitigte und 380.000 Zuseher hatte, der Marktanteil bei den Vierzehn- bis Neunundzwanzigjährigen habe bis zu 6,4 Prozent betragen und die Reichweite im Vergleich zu den Mittwochabenden im ersten Quartal um 149 bis 220 Prozent zugenommen. Ob das im Umkehrschluß nicht heißt, daß der Sender seine Zuschauer zuvor per Handschlag begrüßte? Und wir dachten schon, es sei die Aufregung nicht wert.