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Zum Tod von Ray Manzarek : Die Psychedelik seiner Zeit

Ray Manzarek, 1939 bis 2013 Bild: © Joel Brodsky/Corbis

Ohne ihn wären „The Doors“ nicht geworden, was sie waren. Den einzigartigen Gesang Jim Morrisons untermalte er mit ebenso außergewöhnlichen Hammond-Orgelklängen. Nun ist Ray Manzarek im Alter von 74 Jahren gestorben.

          Bei der bis heute spürbaren Präsenz Jim Morrisons wird leicht übersehen, dass die Doors eigentlich zwei Galionsfiguren hatten. Ray Manzarek war nämlich auch eine und galt schon auf Grund seines äußeren, intellektuellen Habitus - mit Brille und auffällig unauffällig modischer, recht eigentlich lässiger Kleidung - sogar als einer von deren Köpfen, obwohl er viel weniger eigene Lieder beisteuerte als der Gitarrist Robby Krieger und als Morrison sowieso.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          In dem instrumentell ohnehin dünn (ohne Bass) besetzten Quartett kam seinem Hammondorgel-Spiel schon proportional erhebliche Bedeutung zu. Ray Manzarek war sicher kein Jon Lord oder Keith Emerson; dazu mangelte es ihm an kompositorischem Durchsetzungsvermögen und visionärer Kraft. Aber mit seinen quecksilbrigen Läufen und zuweilen brachialen Akkorden wurde er einer der maßgeblichen Rock-Organisten und prägte den Doors-Sound mehr als die eigentlich versierteren Mitspieler Robbie Krieger (Gitarre) und John Densmore (Schlagzeug). Denn er fügte dem düster-geheimnisvollen, oft auch einfach bloß geheimniskrämerischen Klang eine Note fast heiterer Verspieltheit hinzu, die sich bis ins Jahrmarktmäßige steigerte und sich sofort mit dem Plattendebüt „The Doors“ im Januar 1967 in den Gehörgängen der Flower-Power-Generation festsetzte.

          Konservator des klanglichen Erbes

          Wieselflink legte er auf „Light My Fire“, einem der Hauptstücke dieses bahnbrechenden Albums, los; die für Rockverhältnisse komplizierte Harmonik fügte dem clever arrangierten, ersten ganz großen Hit jenes gewisse Etwas hinzu, das, zusammen mit Morrisons Gesang, dann quasi zum Synonym für die Band wurde. Fast im selben Atemzug schlug er schwerfällig lastende Töne an, sobald sich die Doors zu ihren langen, von effekthascherischen, tiefenpsychologisch verbrämten Texten begleiteten Blues-Improvisationen wie „The End“, „When the Music’s Over“ und schließlich „Riders on the Storm“ von der letzten Platte „L.A. Woman“ aufmachten.

          So wurde Ray Manzarek, gerade weil die elektrische Rockgitarre ansonsten den Ton angab, einer der markantesten, stilprägendsten Instrumentalisten seiner Zeit. Gefällige Folgen konnte er jederzeit in heftigste Dissonanzen auflösen, die sich dann wieder in einem Rinnsal dünnster Töne verloren. Singen tat er nur ganz ausnahmsweise, und wenn man sich „Close to You“ von „Absolutely Live“ heute noch einmal anhört, weiß man auch, warum.

          Dem haltlos-aggressiven Sex-Schamanentum Morrisons setzte er Reserviertheit entgegen. Fast wie die „Peanuts“-Trickfilmfigur Schroeder saß der klassisch geschulte, vor allem am Barock interessierte Chicagoer gebeugten Kopfs über seiner kleinen Orgel und entlockte ihr mit relativ wenig Aufwand die Psychedelik einer ganzen Epoche.

          Dass die Doors nach Jim Morrisons Tod 1971 am Ende waren, musste auch Manzarek einsehen, der auf der Trio-Platte „Other Voices“ naturgemäß stärker in den Vordergrund rückte. Für seine Soloalben, auf denen er seine wenig bewegliche Stimme vorteilhaft einzusetzen wusste und unter denen die geradezu gutgelaunte Bigband-Platte „The Whole Thing Started With Rock’n’Roll And Now It’s Out Of Control“ (1974) hervorragt, hat er zumindest das rein klangliche Erbe von allen Überlebenden am besten konserviert. Doors-Wiederbelebungsversuche und Rechtsstreitigkeiten verdrossen ihn nicht, obwohl er in unserer Gegenwart nur das sah, wovor die Doors immer gewarnt hatten. Nun ist Raymond Daniel „Ray“ Manzarek im Alter von 74 Jahren im oberbayerischen Rosenheim, wo er eine schwere Krankheit nicht mehr erfolgreich behandeln lassen konnte, gestorben.

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