In der amerikanischen Popmusik hieß man eine Zeit lang gern Billy, Joe oder am besten gleich Billy Joe. Bobby Gentry hatte 1967 mit ihrer „Ode to Billy Joe“ nicht nur den Schlachtruf für den beliebtesten männlichen Vornamen ausgestoßen, sondern auch stilistisch die Richtung gewiesen: ein unentwirrbares, weich produziertes, manchmal fast sumpfig anmutendes Gemisch aus Rock, Pop, Country, Gospel und Soul, das um 1970 tonangebend war. Auf Lager hatten es Joe Simon, Jim Ford, Billy Joe Thomas und Joe South.
Joe South ragte aus dieser Reihe schon wegen seines Welthits „Games People Play“ heraus, ein leicht pompös daherkommendes, instrumentell gar nicht mal makelloses, aber mit sinnlichem Bariton glänzend intoniertes Stück, mit dem er seine auch sonst nicht verhohlenen Weltverbesserungsabsichten auf pop-exemplarische Weise darbot. Da hatte er schon mehrere Karriereabschnitte hinter sich, zuerst in der Band von Peter Drake, dem er sich schon minderjährig assoziiert hatte und bei dem er lernte, wie überlebenswichtig Sessiondienste sein können, die South dann in den sechziger Jahren an der Gitarre bei den ganz Großen versah: Aretha Franklin, Wilson Pickett, Bob Dylan, Simon&Garfunkel.
Eine der markantesten Stimmen seiner Zeit
Seit „Games People Play“, für das er 1969 den Grammy als song of the year bekam, hatte er das nicht mehr nötig, wie er sich überhaupt zu einem einflussreichen Songschreiber mauserte, der die unterschiedlichste Klientel belieferte: Deep Purples „Hush“ stammt ebenso aus seiner Feder wie „Down in the Boondocks“ von einem anderen Billy Joe (nämlich Royal) und „I Never Promised You a Rose Garden“, mit dem Lynn Anderson 1970/71 einen Volltreffer auf dem damals so weiträumigen Gebiet zwischen Country und Pop landete. Die Tonlage dieser Songs war immer gleich: latent rechthaberisch, pathetisch, fast wehleidig, ohne Teenager-Herz-Schmerz-Bedürfnissen anbiedernd nachzukommen.
Trotz seines blendenden Aussehens und der verbindlichen Anmutung seiner Musik entwickelte sich Joe South dann zu einer der obskursten Figuren des amerikanischen Country-Pop, der immer schwülstiger und um 1975 dann praktisch ungenießbar wurde. Er wurde, wie der ihm stilistisch wohl nächstverwandte Jim Ford, zum Eremiten und strapazierte die Geduld seines ohnehin schwindenden Publikums mit bizarren Auftritten jenseits der Grenze zur Unverschämtheit, um seine nachlassende Produktivität zu kaschieren. Trotzdem wird er als eine der markantesten Stimmen und Federn aus jener großen Zeit in Erinnerung bleiben. Nun ist Joe South, der als Joseph Alfred Souter 1940 in Atlanta, Georgia, geboren wurde, in seinem Heimatstaat gestorben.