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Zum Tod von David Bowie : Die schöne schmale Flamme

David Bowie, 1947 bis 2016 Bild: Intertopics/Mick Rock

Popmusiker, Schauspieler, Gesamtkunstwerk: David Bowie begann als Kunstpädagoge und wurde mit seinen notorischen Stilwechseln zum Vollzeitdarsteller seines eigenen Images. Und dann hatte er noch diese wunderschöne Stimme.

          Frischer Atem schlägt beim Singen smarte Häkchen auf der eiligen Flucht durch ein musikalisches Kindergedicht, das von einem lachenden Zwerg erzählt, der immer mal wieder elektronisch verzerrt dazwischenkichert, bis der für sein jugendliches Alter viel zu erwachsene Sänger einen Refrain seufzt, als wäre ihm der eher peinlich: „Ha ha ha, hee hee hee, I’m a laughing gnome and you can’t catch me.“

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Die als Witz-Hit konzipierte Novelty-Single „The Laughing Gnome“ aus dem April 1967 war ein alberner Flop, man vergaß sie zunächst mit Recht schnell. Ihr Text aber enthielt einen kuriosen Farbkontrast, der auf eine spätere Haupttugend des Sängers David Robert Jones vorauswies, der sich damals bereits David Bowie nannte: Zugleich „scharlachfarben“ und „grau“ sei die Kreatur, die da mit cleverem Mutwillen der Welt auf den Weltgeist ging und sich einfach nicht fassen ließ. Widersprüche wie dieser zwischen verruchtem Scharlach und herrenausstattergemäßem Grau verhinderten fast ein halbes Jahrhundert lang, dass die Konkurrenz, die Kritik oder das Publikum den Künstler, der mit dem Lied vom lachenden Zwerg baden gegangen war, je fangen, das heißt: als vollständig verstandenen Typus in irgendeinem Nostalgiefolder ablegen konnten.

          Anfänge mit echten Menschen

          Scharlach, aber Grau: Bleich und ausgezehrt, aber dank nervöser Sinnlichkeit statt wegen öder Askese; undurchschaubar, aber darin dann doch wieder durchsichtig wie Kristallglas; flutlichtgrell, aber dabei listig wie das regsame Flämmchen in der Nische; allseits öffentlich ausgestellt und immer unterwegs, unterdessen jedoch stets im Verborgenen planend wie der geduldige Meisterdieb.

          „Alligator“, „Space Invader“, „Rockin’ rollin’ bitch for you“, wie Bowie sich 1971 auf „Moonage Daydream“ per plausibel-unmöglichen Dreisatz selbst trianguliert hat - woher kam dieses aufreizend seidig-geschmeidige, grundverkehrt-goldrichtige Wesen? Wer hat es exakt fünf historische Minuten nach den Beatles auf die Bühne gelassen, die einer Epoche den Vorhang beiseitegezerrt hatten, in der für Millionen, dann bald Milliarden Menschen ein neues Phänomen namens Pop die zahllosen Gestirne der Massensehnsucht zwischen Glamour und Schmutz als blitzendes Kleingeld suggestiver Persönlichkeitsdarstellung auf die Prunkteppiche nie gehörter Klänge prasseln ließ?

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          Nicht zu fassen: Das Sternenkind Bowie entstammt ausgerechnet dem volkspädagogischen Breitenkulturmanagement. Klingt gelogen, war aber so. Im September 1969 gab der Mann, dessen Miniatur-Astronautenoper „Space Oddity“ soeben satellitenhoch in die Charts geschossen war, der Zeitschrift „Melody Maker“ ein Interview, in dem er sich als Kreativitätsbetreuer im Rahmen einer lokalen Selbstverwirklichungseinrichtung vorstellte: „Ich leite ein Arts Lab, das ist mein Hauptberuf. Es ist in Beckenham und wohl das landesweit beste. Wir haben keine Pseudos. Alles echte Menschen - Arbeiter, Bankangestellte. Ich glaube, die Arts-Lab-Bewegung ist extrem wichtig, sie sollte die Jugendzentren ablösen. Wir haben vor ein paar Monaten mit Dichtern und Künstlern angefangen, es wurde immer größer, jetzt haben wir unsere eigene Lightshow und Skulpturen und so was. Ich hatte keine Ahnung, dass es in Beckenham so viele Sitarspieler gibt.“

          Die Binsenweisheit „Wenn ganz Holland malt, taucht früher oder später ein Rembrandt auf“ hat sich auch hier bestätigt. Und dass Bowie die seinerzeit erworbenen kommunikativen Fertigkeiten zunächst als Marke privatisierte, um dann viel später Aktien dafür auszugeben, ist performative Kulturindustriegeschichtsschreibung vom Feinsten.

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