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Zum Tod von Clarence Clemons Der Fels seiner Brandung

19.06.2011 ·  Aus der E Street Band ragte er schon äußerlich heraus. Sein Freund Bruce Springsteen nannte ihn „die Seele“ der Gruppe. Am Samstagabend ist der Saxophonist Clarence Clemons in Florida gestorben.

Von Edo Reents
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Trotz Lou Reed („You can't beat two guitars, bass and drums“) - die Rockmusik war auf das Saxophon vielleicht nicht immer zwingend angewiesen, bezog aus ihm aber großstädtischen Glanz und einen gut Teil ihrer euphorisierenden Wirkung. Es sicherte die Bindung an ursprünglich schwarze Stile, und nicht zufällig waren die großen Saxophonisten oft Grenzgänger wie Dick Heckstall-Smith, der aus dem Jazz kam, oder King Curtis, der eine Schlüsselfigur des Rhythm&Blues war.

Eine der wenigen großen Rockformationen der zweiten Generation, die sich einen festen Saxophonisten leistete, war Bruce Springsteens E Street Band. Aus ihr ragte Clarence Clemons schon äußerlich heraus: ein Zweieinhalb-Zentner-Hüne, der den ohnehin eher kleinwüchsigen Rest noch mehr verzwergen ließ. Clemons hauchte schon dem Debüt „Greetings From Asbury Park, N.J.“ (1973) mit abwechselnd melancholisch verschatteten und druckvoll einpeitschenden Figuren jene Urbanität und Jazz-Nähe ein, die dem von Haus aus eher bodenständigen Springsteen-Spiel ausgesprochen gut taten - exemplarisch nachzuhören in dieser frühen Phase auf dem Lied „Spirit in the Night“.

In eine andere Umlaufbahn

Nie aber blies Clemons gewaltiger als auf „Born To Run“ (1975), das Springsteen den Durchbruch und dessen erstem Mann neben sich den Ruf eines ebenbürtigen Musikers brachte. Clemons agierte hier mit einer Energie, die die Band in eine andere Umlaufbahn schoss und die er bei den Bühnenauftritten fortan auch ganz persönlich verkörperte. Das legendäre Albumcover drückte die Verhältnisse bildlich aus: Auf diesen Fels konnte Springsteen bauen, auch wenn die folgenden Produktionen das Saxophon unterschiedlich zur Geltung kommen ließen und bisweilen ganz darauf verzichteten.

Das Spiel des Mannes aus Norfolk, Virginia, der Sport und Musik studiert, eine Football-Karriere an den Nagel gehängt und dann in New Jersey professionell zu musizieren begonnen hatte, war sicherlich nicht das subtilste, aber das war in der E Street Band auch nicht vorgesehen. Clemons agierte meistens so, wie man am liebsten Auto fährt: immer kräftig Gas geben.

Spätestens jetzt, wo man die Nachricht von seinem Tode vernimmt, der den Neunundsechzigjährigen am Samstag in Florida ereilte, sollte man sich fragen, wie Springsteens Musik ohne ihn geklungen hätte - erheblich ärmer natürlich. Der Boss, mit dem Clemons es bestimmt nicht immer leicht hatte, wusste das und setzte dem „Big Man“ schon 1975 in dem Song „Tenth Avenue Freez-Out“ ein Denkmal: „When the change was made uptown / And the Big Man joined the band / From the coastline to the city / All the little pretties raise their hands / I'm gonna sit back right easy and laugh / When Scooter and the Big Man bust this city in half“. Wenn Clarence Clemons Dampf abließ, war das Entzücken nicht nur in New Jersey groß.

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Jahrgang 1965, stellvertretender Leiter des Feuilleton.

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