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Veröffentlicht: 01.01.2010, 14:26 Uhr

Wie darf Country klingen? Die Leiden des Jim Lauderdale

Als Sänger und Songwriter stand er mit allem, was in Country und Folk Rang und Namen hat, auf der Bühne und im Studio. Dennoch kennen seinen Namen nur Eingeweihte. Jim Lauderdale scheint das nicht groß zu stören, nach seinen Grammy-Gewinnen taucht er immer wieder ab in die Tiefen des Country.

von Jonathan Fischer
© ASSOCIATED PRESS Kurz vor dem Verschwinden in den Country-Untergrund

Was verbindet die Country-Legende George Jones und den französischen Elektro-Produzenten Solal, die Dixie Chicks, Elvis Costello, Solomon Burke und The Grateful Dead miteinander? Ein Sänger und Songwriter, der mit ihnen im Studio und auf der Bühne war, ihnen seine Songs zur Verfügung gestellt hat, und dessen Namen doch nur ein paar Eingeweihte kennen: Jim Lauderdale. Gerade ist der langhaarige Hipster wieder einmal für einen Grammy nominiert worden, dank seines neuen Bluegrass-Albums „Could We Get Any Closer“ (SkyCrunch).

Darüber hinaus mischt Lauderdale auch in zwei weiteren Grammy-Kategorien mit: als Co-Autor von George Straits Country-Album „Twang“ und als Mitglied von Elvis Costellos Band The Sugarcanes, deren aktuelles Album „Secret, Profane & Sugarcane“ als „Best Contemporary Folk Album“ aufgestellt ist. Doch selbst wenn er gewinnen sollte – der Predigersohn aus North Carolina wird nach der Verleihung wieder in den Country-Untergrund verschwinden.

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Die Country-Welt ist nicht gerecht

So erging es Jim Lauderdale schon nach seinen ersten zwei Grammys 2002 für ein Album mit der Bluegrass-Legende Ralph Stanley und 2008 für „The Bluegrass Diaries“. Nashville bedankte sich beim Predigersohn aus North Carolina für seine kompromisslosen, mal experimentellen, mal traditionalistischen Einwürfe und fuhr dann mit dem business as usual fort, was im Country heute nur allzu oft bedeutet: rockende E-Gitarren, Keyboards und ein polierter Mainstream-Sound, der das Erbe quergebürsteter Outlaw-Typen wie Johnny Cash, Kris Kristofferson, Waylon Jennings oder Willie Nelson so gut wie möglich verleugnet. Jim Lauderdale allerdings hat sich über seinen Außenseiter-Status nie beklagt: Wenn die Country-Welt gerecht wäre, keine Frage, dann hätte er längst einen gut dotierten Vertrag mit einem Major-Label und würden Radios und Fernsehsender die Songs des Hippie-Typen im Western-Kostüm rauf und runter spielen. Zumindest bleibt ihm die Genugtuung, ständig die eigenen Songs zu hören – aus dem Munde von Country-Superstars wie George Strait, Patti Loveless, Vince Gill oder Mark Chesnutt.

Es ist dieser Erfolg als Songwriter, der Jim Lauderdale erlaubt, auf seinen eigenen Alben keine Rücksicht auf die Moden des Genres zu nehmen und, wie er selbst sagt, „zu Country für die Country-Radios zu klingen“. So hat er auf seinem neuen Album wieder einmal mit Grateful-Dead-Veteran Richard Hunter, der zuletzt für Bob Dylan textete, zusammengearbeitet und eine Schar von Bluegrass-Koryphäen um sich gesammelt: Sie begleiten Lauderdale an Banjos, Fiddle und akustischer Gitarre, unterlegen seinen klagenden Twang mit abwechselnd melancholisch dahinpluckerndem und dampfzugartig vorwärtstreibendem Rhythmus, um immer wieder in dunklere, bluesgetränkte Gefilde abzudriften und mit dreistimmigen Harmonien zu Tränen zu rühren.

Die Tradition der Apalachen

Allzu sonnig-jovial mag es der Zweiundfünfzigjährige nicht: Deswegen ist er für den „Rolling Stone“ ein „Nick Cave, begleitet von Bill Monroes Bluegrass Boys“. Aber liegt diese Nähe zu Tod, Krankheit und Außenseitertum nicht aller wahren Volksmusik zu Grunde? Lauderdales Verdienst ist es, die Countrymusik wieder zu sich selbst zu bringen und Nashville zu zeigen, wie zeitgemäß die raue Tradition der Appalachen klingen kann – wenn man sich nur traut.

Quelle: F.A.Z.

 

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