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Vampire Weekend in Berlin : Lieder, so kurz wie Bermudahosen

Rostam Batmanglij, Ezra Koenig, Chris Tomson und Chris Baio von Vampire Weekend Bild: AFP

Mit ihrem dritten Album macht die Band Vampire Weekend aus New York Halt in Berlin. Dabei zitieren sie klug die unterschiedlichsten Musiktraditionen.

          Ein Sommerabend in Berlin, anderthalbtausend Sommermenschen in der kleinen Halle an der Spree, vier boys of summer auf der Bühne, aber nur anderthalb Stunden Zeit, dann ist dieser Popsommer leider auch schon wieder vorbei: Vampire Weekend aus New York spielen im „Astra“ an der Spree, spielen kaum länger, als die Bermudahosen ihrer Fans kurz sind, die selig, anders kann man das nicht sagen, selig mittanzen und mitklatschen und mitsingen zu einer Spezialmusik, die Ezra Koenig, der Sänger und Gitarrist der Band, vor kurzem als Hiphop bezeichnet hat. Was aber stärker die intellektuelle Methode von Vampire-Musik beschreibt, Sounds der letzten fünfzig, sechzig Jahre zu amalgieren, bis es klingt, als würden sich Simon & Garfunkel vorstellen, sie wären die Beastie Boys, die sich vorstellen, sie kämen aus Soweto. Es geht um Einbildungskraft bei dieser Musik, darum, sich für die Dauer eines Songs in ein Wesen zu verwandeln, das keine Grenzen kennt: Die Laune im Publikum ist entsprechend euphorisch bei jedem der kurzen Songs, die sich auch auf der Bühne kaum unterscheiden von dem, was man auf den Platten von Vampire Weekend zu hören bekommt.

          Mythen amerikanischer Popmusik

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das spricht dafür, wie klar die vier Musiker im Kopf sind (neben Ezra Koenig sind das Rostam Batmanglij an Gitarre und Keyboards, Chris Baio am Bass, Chris Tomson am Schlagzeug, alle sehr laut). Wie genau sie wissen, was sie tun, und sich nicht mit Umwegen aufhalten - während man es im Publikum kaum fassen kann, was einen Song wie „Cape Cod Kwassa Kwassa“ vom Debütalbum der Band nur zusammenhält: das kleine afrikanische Riff, das Ezra Koenig spielt, die tänzelnde Eleganz von Trommel und Bass, der irre Text, sonor und dann hysterisch gesungen, ein Text, der Bilder eines ziemlich weißen Traum-Amerikas zwischen Kennedy und Katharine Hepburn beschwört („As a young girl, Louis Vuitton/With your mother on a sandy lawn“) und sie gleichzeitig irgendwie suspekt verdunkelt - all das ist so großartig rätselhaft, dass man sich nicht anders zu helfen weiß, als zu tanzen, um es besser zu verstehen. Und so war es am Ende vermutlich auch gemeint.

          „It’s time to schwitz“, sagt Ezra Koenig, da ist der Abend halb vergangen, danach spielt die Band vor allem Lieder wie „Obvious Bicycle“ oder „Everlasting Arms“ von ihrer neuen Platte „Modern Vampires of the City“, die eher den Mythen amerikanischer Popmusik nachspürt, als clever Weltmusik zu zitieren, die eine Antwort auf die Frage sucht, wie oft man „Baby Baby Baby“ singen muss, bis Elvis wieder aus seinem Grab aufsteht und Cheeseburger für alle bestellt. Antwort: jedenfalls noch ein paar Mal mehr, als das Ezra Koenig tut, der fast hinter seiner Gretschgitarre verschwindet, ein schmaler, höflicher Entertainer.

          Dann geht die Band ab, ihr Bermudahosen- und Sommerkleidpublikum ruft sie für Zugaben zurück, die spielen Vampire Weekend auch, zuletzt das hämmernde, lustige „Walcott“, das den Literaturnobelpreisträger auffordert, doch ruhig auch mal Cape Cod zu verlassen, danach ist es vorbei. Keiner protestiert, dafür war es zu gute Unterhaltung.

          Quelle: F.A.Z.

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