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„Trio“-Gitarrist Kralle Krawinkel : Der Dadaist aus Großenkneten

Nonsens mit seriösem Hintergrund: Kralle Krawinkel (rechts) mit seinen „Trio“-Kollegen Stephan Remmler und Peter Behrens (Mitte) Bild: dpa

Kralle Krawinkel gab mit „Trio“ den Ton der Neuen Deutschen Welle vor. Hinter Nonsens-Hits wie „Da Da Da“ versteckte sich musikalisches Format. Jetzt ist Krawinkel im Alter von 66 Jahren gestorben.

          Es war im Frühjahr 1983 in der Fernsehsendung „Na sowas“. Auf der Bühne stand der Amerikaner Stephen Stills, legendärer Veteran, der hier nun seinen Crosby, Stills, Nash Young-Hit „Love the One You’re With“ zum besten geben sollte. Neben ihm stand Kralle Krawinkel, spillerig wie Udo Lindenberg. Man hätte ihn für eine Witzfigur halten können – bis Stills ihn in die Saiten greifen ließ. Das Gitarrenduell, das sich daraufhin ergab, wies Kralle Krawinkel als ebenbürtigen Spieler aus.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Die Gruppe Trio, der Krawinkel angehörte, befand sich damals, nach einer fast sensationellen Neue-Deutsche-Welle-Saison 1982, fast schon wieder in der Phase des afterglow, auch wenn die bemerkenswerte Kritik von Stephen Holden in der „New York Times“ dann erst im November 1983 erschien – ein Artikel in dieser Zeitung über eine Band aus dem Oldenburgischen Großenkneten! Hier, in einem stinknormalen Einfamilienhaus, hatte sich die Gruppe aus einer vielköpfigen Sponti-Kommune herauskristallisiert.

          Dem personellen Minimalismus entsprach der musikalische: Stephan Remmler, wie Krawinkel einst Lehrer, schrieb die Texte, deren Dadaismus im Welthit „Da Da Da ( Ich lieb dich nicht du liebst mich nicht aha aha aha)“ kulminierte; Krawinkel, gestählt von Ochsentouren zwischen Emsland und Wesermarsch, schrieb den Großteil der Musik und besorgte die kraftvolle, bisweilen hochenergetische Gitarrenarbeit mit Hilfe eines kleinen Verstärkers, der für einen Kinks-ähnlichen Fuzz-Sound sorgte; Peter Behrens saß mit seinem Clownsgesicht absolut ungerührt hinter dem Schlagzeug, dessen Beherrschung ihm repertoirebedingt nur selten abverlangt wurde.

          Das Lied, das der legendären, vom Beatles-Spezl Klaus Voorman produzierten Debütplatte mit dem gleichfalls minimalistischen Cover nachträglich beigegeben wurde, verkaufte sich Millionen Mal und gilt als der Inbegriff der NDW, zu der Trio aber nur bedingt gehörten.

          Erstaunliche Weltläufigkeit

          Über dem schwer auszurechnenden Nonsens-Gehabe wurde übersehen, dass hier am Ende doch seriöse Musiker am Werk waren: „Unsere Basis ist Rock’n’Roll“, sagte Krawinkel damals. Ich nehme mir nicht wie Frank Zappa vor, Sachen zu verarschen. Wir reduzieren nur.“ Anschlusshits wie „Anna – Lassmichrein Lassmichraus“ und „Bum Bum“ offenbarten ebenfalls noch den Widerspruch zwischen provinzieller Band-Herkunft und einer erstaunlichen Weltläufigkeit in der Wirkung; 1986 waren Trio am Ende.

          Remmler hatte als einziger noch solo Erfolg, Behrens machte als Krisentyp die wahrscheinlich interessanteste Figur; Krawinkel spielte mit Westernhagen, machte eine und hielt danach den Ball in Spanien flach. Nun ist Gert Franz Alexander „Kralle“ Krawinkel sechsundsechzigjährig überraschend gestorben.

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