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Treffen mit dem Rapper Romano : Was denn nun, Straße oder Stadlshow?

  • -Aktualisiert am

Salonfähig: Romano Bild: Patricia Kühfuss

Schlager und Heavy Metal haben nichts miteinander zu tun? Bei Romano laufen diametral entgegengesetzte Musikrichtungen zusammen. Manchmal wirkt das unfreiwillig komisch. Egal. Ein Treffen mit dem Rapper.

          Die Zöpfe sind geflochten, die Bomberjacke sitzt, und Roman Geike nimmt im Frankfurter Nagelstudio „Beauty Nails“ Platz: „Hey Naschkätzchen, schön habt ihr es hier“, begrüßt er eine der Nageldesignerinnen. Eine andere beginnt, ihm sanft überschüssige Nagelhaut abzuschaben. Egal, ob der Mann mit dem Künstlernamen Romano vom „schönsten Ort der Welt“, seinem Berliner Bezirk Köpenick, oder von seinem Debütalbum „Jenseits von Köpenick“ erzählt, er kommt aus dem Schwärmen nicht mehr raus.

          Er holt weit aus, bis in die Nachwendezeit, als er die Musikszenen West-Berlins entdeckte. Dort bekam er erstmals Hiphop-Kassetten in die Hände. Endlos habe er Westcoast-Rap gehört, der sei „smoother als der der Ostküste. Palmen, Sonnenschein und so“. Zur selben Zeit zeigte ein Freund ihm die Technoschuppen West-Berlins, nur in den „Walfisch“ kam der Vierzehnjährige nicht rein. Über einen Fan der Gruppe Iron Maiden hat er damals Heavy Metal für sich entdeckt. Durch Zufall kam er Anfang des neuen Jahrtausends auch zum Schlager: „Man schaut sich gegenseitig an und denkt, das passt wie die Faust aufs Auge.“

          Wer ist dieser Mann, der wie eine Mischung aus Pippi Langstrumpf, Snoop Dogg und Putin wirkt? Die Kritiker tun sich schwer, seine neue Platte einzuordnen. Macht Romano Schlager-Hiphop, Metal-Pop, oder ist er am Ende gar ein Techno-Rapper? Roman Geike, der als MC Ramon, Cornerboy und Left Coast sowohl Schlagersänger als auch Rockmusiker war, wirft Fragen auf und wird im Laufe seiner Maniküre keine einzige beantworten. Er besteht einzig darauf, dass er keine Kunstfigur schaffen wollte: „Nur weil ,Romano‘ nicht greifbar ist, sagen sie gleich, das sei Kunst. Dabei war ich noch nie so nah an mir selbst.“

          Reibung im Nagelstudio

          Er wolle alle umarmen, raunt Geike. Wer sich das Video zu „Cornerboy“ anschaut, in dem Romano durch die Köpenicker Nachbarschaft flaniert, weiß, dass er solche Sätze ohne einen Funken Ironie sagt. Vom Trinker an Margittas Kiosk bis zum Bauarbeiter wird er überall herzlich gegrüßt, die Friseurin an der Ecke flicht ihm „für’n Kaffee oder ’nen Sekt“ die Zöpfe. Er will sich nicht mehr für Rap oder gegen Schlager entscheiden: „Ich biete mich der Welt an. Und wenn ich für einen Abend Grenzen einreißen kann, stehen am nächsten Morgen wieder neue Grenzen“, sagt er. „Der schöne General“, wie er sich in einem Lied selbst bezeichnet, liest die „Glamour“, tanzt Ballett und trägt selbst nachts Parfüm. Schon mit seinem androgynen Auftreten lässt Romano die Gesetze des Hiphops ebenso links liegen wie sonstige Genregrenzen.

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