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Nachruf auf Tom Petty : Der letzte Dinosaurier war ein Herzensbrecher

Tom Petty wurde auch deswegen groß, weil er technisch mindestens ebenbürtige Mitspieler hatte, allen voran den unfassbaren Gitarristen Mike Campbell und den findigen Organisten Benmont Tench. Dass derart eigenständige Leute ihm trotz mancher Pause so lange zu Diensten waren, bedeutet etwas; der Preis dafür ist zu erahnen aus Peter Bogdanovichs Film-Porträt „Runnin’ Down A Dream“ (F.A.Z. vom 9. Juli 2008): Bemerkenswert sachlich, ohne jedes Kumpel-Getue äußern sich die Getreuen hier über den Anführer.

Tod einer Legende : „Into The Great Wide Open“ von Tom Petty And The Heartbreakers

Nach dem Altherren-Projekt der Traveling Wilburys trat Petty um 1990 in seine kommerziell einträglichste Phase ein. Jeff Lynne hatte ihm für „Full Moon Fever“ und „Into The Great Wide Open“ ein geschmeidiges, absolut radiotaugliches Korsett verpasst, das seiner Karriere neuen Schub verlieh, die Band allerdings auf Distanz nötigte.

Mit Anfang vierzig trat Petty dann in seine künstlerisch hochwertige Spätphase ein. Während er sich auf den Konzertbühnen mit originellen, handwerklich über jeden Zweifel erhabenen Fremdkompositionen als Traditionalist ersten Ranges präsentierte, erreichte er, zunächst ohne die Heartbreakers, dann wieder mit ihnen, noch einmal ein anderes spielerisches Niveau, zu dem auch der Produzent Rick Rubin beitrug, der wie wenige andere in der Lage ist, aus seinen Künstlern deren Quintessentielles herauszuholen. „Wildflowers“ (1994) und „Echo“ (1999), später noch die wie eine amerikanische Landstraße bluesig mäandrierende Platte „Mojo“ (2010) waren schon vom Umfang her gewaltige Rock-Relikte, auf denen Petty sein Bestes gab. Die kristalline Härte eines Songs wie „Honey Bee“ oder der unnachahmliche Groove von „Swingin’“, mit dem Petty tief in die Benny-Goodman-Ära eintaucht, gehören zum Zwingendsten nicht nur seines Katalogs. Endgültig traten die Spielkunst und die Vielseitigkeit Tom Pettys und der Heartbreakers auf der Live-Anthologie hervor. Neben viel vertraut Deftigem finden sich hier Improvisationen, die sich bis in den Jazz vorwagen. Eine an sich volkstümliche Eigenkomposition wie „Melinda“ wird ohne alle Erdenschwere überführt in eine Phantasie, die auch von Duke Ellington stammen könnte – so etwas bekamen sonst nur noch die Allman Brothers hin, deren Südstaaten-Rock Petty und seine Band erneuert haben.

Tod einer Legende : „I Won’t Back Down“ von Tom Petty And The Heartbreakers

Bei Gelegenheit der laufenden Rolling-Stones-Tournee dachte man, der Rock’n’Roll kenne nun endgültig kein Alter mehr. Auch Tom Petty wirkte mit seiner dürren Figur, den Spaghetti-Haaren und dem breiten Grinsen im allerdings immer schon erschreckend fahlen Gesicht lange jugendlich; aber er muss vor der Zeit gealtert sein. Einst wurde er auf seinem Anwesen in Malibu gefragt, ob er surfe. „Das geht nicht“, antwortete er und zeigte auf sein bandagiertes Knie, das er sich auf der Bühne ruiniert hatte. Dass auch sein Herz nicht mehr das stabilste war, ist nun traurige Gewissheit: Am Montag ist Thomas Earl „Tom“ Petty, dieser nie schwächelnde Rock’n’Roll-Saurier, sechsundsechzigjährig in Santa Monica gestorben.

Tod einer Legende : Tom Petty: „Free Fallin’“

Quelle: F.A.Z.

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