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Them Crooked Vultures konzertieren Alte Tante Rockmusik

12.12.2009 ·  Das ist schon eine Supergruppe: Die Altmeister Josh Homme, Dave Grohl und John Paul Jones haben sich zu Them Crooked Vultures zusammengetan und bringen in Köln den Hardrock auf Touren.

Von Eric Pfeil
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Dave Grohl zeigt sein mächtiges Gebiss und reibt sich die Hände; Josh Homme raucht erst mal und winkt etwas ungelenk ins Publikum; John Paul Jones steht nur da und lächelt. Die drei Männer, die da soeben, verstärkt um einen Begleitgitarristen, unter ohrenbetäubendem Jubel und euphorisiertem Bierbecherwerfen die Bühne des ausverkauften Kölner Palladium betreten haben, bieten nicht das übliche Konzertanfangsbrimborium, bei dem im Halbdunkel begonnen wird und der Sänger zuletzt aufläuft. Sie kommen einfach auf die Bühne und stehen herum. Das liegt an ihrem Status, denn obwohl die drei erst ein gemeinsames Album veröffentlicht haben, ist jeder von ihnen das, was man früher als „Rockstar“ zu bezeichnen pflegte. Gemeinsam nennen sich der ehemalige Nirvana-Schlagzeuger Grohl, der Queens-Of- The-Stone-Age-Frontmann Homme und der Led-Zeppelin-Bassist Jones Them Crooked Vultures und bilden, ob sie es wollen oder nicht, eine Supergroup.

Auch das war ein Phänomen der nuller Jahre: das Wiederaufkommen prominenter Musikerzusammenrottungen. Das eigentlich Erstaunliche ist, dass starbesetzte Projekte wie The Raconteurs, The Good, The Bad & The Queen oder die Monsters Of Folk wirklich zwingende Platten aufgenommen haben. Them Crooked Vultures haben auch ein Album veröffentlicht – die beste Hardrock-Platte des Jahres, eine dröhnende, prügelnde, fiebrige Songsammlung, die nie nach Leistungsschau klingt, eher nach wundersam intuitivem Walpurgisnacht-Metal und Lindwurm-Rock.

Eine große Band

Der Abend beginnt mit dem schön kantigen „No One Loves Me & Neither Do I“; doch bevor man wirklich hören kann, ist noch alles mit Schauen beschäftigt: Dave Grohl lässt die Haare flattern und sieht aus wie das tätowierte Klischee eines Rock-Schlagzeugers; der Hüne Josh Homme erweckt den Eindruck eines Mannes, gegen den man nicht im Bierwetttrinken antreten sollte, und der kleine John Paul Jones könnte auch gut ein Fachgeschäft mit dem Namen „Der andere Buchladen“ betreiben. „I gotta beautiful place to put your face“, singt Homme aufschneiderisch, es handelt sich wohl um ein Lied zum Thema Sexualität.

„This song is called ,Scumbag Blues‘“, sagt Homme das übernächste Stück an und demonstriert, wie niedlich er lächeln kann. Das Stück, ein so roher wie eleganter Psycho-Blues-Stampfer, markiert mit einem treibenden Bass/Schlagzeug-Intermezzo den ersten Höhepunkt des Abends; auch Homme fällt noch etwas Unerwartetes auf der Gitarre ein. Hier zeigt sich die Stärke von Them Crooked Vultures: Gute Songs haben sie ohnehin, aber was sie alles an Ideen aus diesen monolithischen Stücken herausarbeiten, das erst macht sie zur großen Band.

Danach geht es Schlag auf Schlag: Der halsbrecherische Anfang von „Elephants“ lässt die Mehrheit aller aktuellen Hardrockbands wie bloße Härtedarsteller klingen; „Gunman“ ist beinahe schon Disco-Rock; „Caligulove“, mit Jones an der Orgel, ist seltsamer Pilzesser-Metal und klingt ansonsten, wie es heißt; bei „Interlude With Ludes“, einem bizarren Psych-Soul-Stück, hat Jones plötzlich ein ästhetisch fragwürdiges Umhängekeyboard um den Hals, und Homme singt: „We make the possible totally impossible.“ Dazwischen erweist sich Homme als Meister minimalistischen Humors: „This song is about the future“, sagt er, „it’s called ,Reptiles‘.“ Natürlich: Wer dem Genre der Tätowierstudiomusik so gar keine Sympathien entgegenbringen mag, der wird hier nicht glücklich werden. Für alle anderen packt hier die alte Tante Rockmusik noch mal so richtig die große Tasche aus.

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