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Suzanne Vega in Stuttgart Suzanne serviert es selbst: Disco im Diner

31.07.2007 ·  Leider hält der Abend nicht, was sein Beginn verspricht. Suzanne Vegas Stuttgarter Auftritt bleibt die auch anderswo übliche Mischung aus Alt und Neu, vorgetragen von einer entschieden gereiften Sängerin. Mit fulminantem Finale.

Von Andreas Obst
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Siebzehn Jahre sind nicht nur im Pop eine Ewigkeit. So lange liegt Suzanne Vegas größter kommerzieller Erfolg zurück, an dem sie selbst freilich gar nicht beteiligt war: die Disco-Version ihrer A-cappella-Weise „Tom's Diner“, zerstückelt, neu gemischt und mit Computerrhythmen unterlegt von dem englischen DJ-Team „DNA“. Ein Jahr später hatte sich das Lied zu einer Art stillen Postsendung der internationalen Popszene vervielfältigt. Vor siebzehn Jahren stand die zierliche New Yorker Sängerin im Zenit ihrer Popularität - der Kometenschweif, den sie als Bannerträgerin einer umjubelten neuen Weiblichkeit in der Folkszene hinter sich herzog, reichte auch aus, die Gesänge Tracy Chapmans, Tanita Tikarams und Michelle Shockeds in ihrem Gefolge zu erhellen. Und frisch im Ohr war damals noch Suzanne Vegas eigene ziselierte Liederkunst, vor allem aber der Klang ihres flachen, dennoch geheimnisvoll charakteristischen, ja magisch anziehenden Soprans.

Dieses „Tom's Diner“ für Tanzboden und Discokugel führte sie selbst auf Abwege, sie experimentierte mit Elektronika und sang sich damit ins künstlerische Abseits. Von der halben Handvoll Platten, die sie seither aufnahm, fand keine einzige Einlass ins kollektive Pop-Gedächtnis. Doch Suzanne Vega beharrt auf ihrem eigenen Zeitbegriff. Sie fühle, denke und handele in Kreisen, sagt sie im Gespräch vor ihrem Konzert im Stuttgarter Theaterhaus, dem ersten von vier Auftritten in Deutschland - einem in seiner unprätentiösen Selbstbescheidenheit eigentümlich berührenden Liederlebenszeichen vor vollem Haus.

Ein New-York-Album: spät, aber nicht zur Unzeit

„Beauty & Crime“, das neue Album, ist ihr New-York-Album, wie es zuvor schon musikalische Porträts der Stadt solch unterschiedlicher Musiker wie Frank Sinatra, Lou Reed, Elvis Costello und Joe Jackson gab, und wie immer bei ihr kommt es spät, aber nicht zur Unzeit. Dass die elf Lieder, die sie hier über ihre Heimatstadt versammelt hat, nicht unbedingt zur Nachbewältigung des immer noch schwelenden New Yorker Menschheits-Traumas taugen würden, ausgelöst von den Anschlägen des 11. September 2001, hätte man sich denken können - die amerikanischen Rezensionen bemängelten genau diesen angeblichen Mangel. Dabei liegt durchaus ein Schatten der Erinnerung über dieser Musik, man muss ihn nur erkennen. Suzanne Vega, auch das zeigt ihr neues, behutsam ausbalanciertes Album, zieht die Andeutung allemal der Anklage vor.

Ihr Konzert beginnt sie mit tänzelnder Stimme und der Melodie von „Tom's Diner“. Einer nach dem anderen gesellen sich vier Musiker dazu, wie man eben in einem Frühstückscafé Platz nimmt; der eine hat eine Kaffeetasse in der Hand, der andere die Zeitung. Es ist eine einfache, einleuchtende Inszenierung als Spiel mit den Vorstellungen, die im Ohr beginnen und sich zu Bildern verdichten - ganz so, wie Suzanne Vega ihre Musik selbst versteht. Gleich als nächstes Stück spielt sie das früheste in der Reihe jener wenigen Songs, die es über die Jahre ins Radio geschafft haben. „Marlene On The Wall“ gebe sie deshalb so früh an diesem Abend heraus, spricht sie gar nicht kokett von der Bühne, weil doch wohl viele im Publikum gekommen seien, um die alten Lieder zu hören. Die neuen müsse sie aber auch vorstellen, denn schließlich habe sie eine neue CD zu verkaufen. Doch damit wolle sie niemanden verprellen.

Leider hält der weitere Abend nicht, was sein Beginn verspricht. Es wird dann doch die auch anderswo übliche Mischung aus Alt und Neu, vorgetragen von einer entschieden gereiften Sängerin, begleitet von einer Band, die gerade so engagiert zu Werke geht, wie es von Mietmusikern zu erwarten ist. Unter ihnen ragt allein der kleinwüchsige Bassist Michael Visceglia auf, ein Begleiter Suzanne Vegas seit den frühen Tagen, vertraut mit jeder Verästelung ihres Repertoires. Das spannungsreiche solistische Miteinander der beiden bleibt von diesem Konzert in Erinnerung, das dann doch noch mit einer Überraschung endet: der Disco-Fassung von „Tom's Diner“, erstmals nach siebzehn Jahren von Suzanne Vega selbst auf die Bühne gestemmt: ein fulminant funkensprühendes Finale.

Weiter Konzerte von Suzanne Vega:

Mittwoch, 1. August: Live Music Hall, Köln
Freitag, 3. August: Serenadenhof, Nürnberg
Samstag, 4. August: Rheinstrand, Mainz

Quelle: F.A.Z., 01.08.2007, Nr. 176 / Seite 34
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