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Stoiber on Drums Ein getrommeltes Gedicht

Ein Schlagzeuger hat Edmund Stoibers Transrapid-Rede in Rhythmus verwandelt. Entstanden ist große Kunst: Der Song hätte das Zeug zur Hymne.

© Jonny König Vergrößern Ein Ausnahmeschlagzeuger: Jonny König übersetzt Stoibers Großstadtlyrik in Beats

Er nennt sich Jonny König und sitzt sehr konzentriert an seinem Schlagzeug. Dann erklingen Sprachfetzen von einem Tonband, und eine irre Performance beginnt. „Wenn Sie / Vom Hauptbahnhof in München / Mit zehn Minuten / Ohne dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen / Dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen“ - so geht das stakkatoartig weiter, während der Drummer die Silben kongenial in Anschläge auf seinem Instrument verwandelt.

Handelt es sich um ein modernes Gedicht? Nein, es ist Edmund Stoibers legendäre Münchener Transrapid-Rede aus dem Jahr 2002, mit welcher der damalige bayerische Ministerpräsident die Segnung einer Magnetschwebebahn für die Stadt München ausmalen wollte und sich, wie viele meinten, dabei heillos verstrickte.

Doch weit gefehlt - nun wird wird dem Letzten klar, dass es sich dabei um veritable Großstadtlyrik handelt, voller Aposiopesen, also gezielt vorzeitig abgebrochener Verse. Der junge Schlagzeuger König, der ein Stipendium bei der Popakademie Baden-Württemberg hat und in diversen Bands spielt, nutzt sie als Readymade-Kunstwerk und übersetzt dieses auf  Snare, Hi-Hat und  Bass-Drum.

Aber nicht nur die rhythmische Versiertheit ist berückend: Als sich die Stoiber-Bandstimme an einer Stelle aufhängt und ständig wiederholt, mausert sich die Performance noch zu einem richtigen Song:  Zu der Hookline „Weil das ja klar ist“, die wohl mithilfe eines Vocoders zur Melodie mutiert, fallen Jonny Königs Kollegen dann mit Gitarre, Bass und Synthesizer ein und machen aus dem Gipfel rhetorischer Verunklarung leuchtende Popmusik.

Stoibers Rede hat bereits eine erstaunliche Netz-Karriere hinter sich: Sie wurde vielfach kabaretistisch eingesetzt; sogar eine Nudelfirma wollte einmal mit ihr werben, was Stoiber jedoch untersagte. Dies allerdings ist die bislang wohl lustigste und auch kunstvollste Adaption, die das Zeug zur Bayernhymne hätte. Und von Jonny König und seiner Band wünscht man sich nun weitere Beat-Projekte:  Alle die lyrischen Perlen eines Trapattoni, Sarkozy oder George Bush warten nur darauf, getrommelt und vertont zu werden.

Quelle: Faz.net

 
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