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Solomon Burke Der Seelenheiler wird 70

21.03.2006 ·  Ob in Hermelin mit Brokataufschlag oder dezent beim Papstbesuch: Solomon Burke, der „King of Soul“ und „Wonder Boy Preacher“ findet immer die richtige Nuance. Meist ist es der Brustton der Überzeugung.

Von Wolfgang Sander
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Solomon Burke weiß, was sich gehört. Und er hat Stil. Als er vor fünf Jahren in New York in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen wurde, trug er einen mächtigen Mantel aus Hermelin mit Brokataufschlag locker um die Schulter geworfen. Darunter schimmerte ein roter Smoking mit schwarzem Besatz durch, der nur unzureichend eine goldene Weste verdeckte, unter der ein weinrotes Hemd mit silbernem Schlips sichtbar blieb. Den mächtigen Kahlschädel bedeckte eine dunkelrote Mütze mit Goldrand, die Augen verbarg eine dicke Sonnenbrille. Mit der linken Hand grüßte er huldvoll in die Menge: ein König auf dem Zenit seiner Macht.

Am 3.Dezember vorigen Jahres trat er beim Weihnachtskonzert von Papst Benedikt XVI. im Vatikan auf - in dunklem Anzug, weißem Hemd, dezenter Krawatte und ohne Kopfbedeckung. Was glitzerte, war nur das silberne Mikrophon in seiner Hand: ein bescheidener Diener der Musik, der die wahren Machtverhältnisse zwischen Staat und Kirche anerkannte.

Geburtshelfer und Bestattungsunternehmer

Es wäre auch verwunderlich gewesen, wenn der Sänger, der seine kräftigen Stimmbänder schon mit acht Jahren in der Kirchengemeinde seiner Vaterstadt Philadelphia in Schwingungen versetzte (was ihm den Beinamen „Wonder Boy Preacher“ eintrug), nicht gewußt hätte, wem er Inspiration und Fähigkeit zur inbrünstigen Gospel Music verdankte. Sein erster Hit wurde naturgemäß ein Album mit dem schönen Titel „Christmas Presents From Heaven“. Solomon Burke ist einer der Pioniere jener Musik in den fünfziger Jahren gewesen, die erst ein paar Jahre später ihren Namen bekam.

Aber die Soul Music, der er mit zur Geburt verhalf, war für ihn immer auch eine andere Form von Gottesdienst. Oder war der Gottesdienst ein Musikfest? So genau läßt sich das bei einem Mann nicht trennen, der den inoffiziellen Titel eines „King of Soul“ trägt, offizielles Oberhaupt der First Church Of The Nazarene Of Pasadena ist und zudem noch aus alter Familientradition ein florierendes Bestattungsunternehmen betreibt, in das mittlerweile auch ein paar von seinen einundzwanzig Kindern eingestiegen sind. Offenbar ist das, was Solomon Burke anbietet, eine Art göttliche Serviceleistung aus einer Hand. Von der Wiege bis zur Bahre reicht seine geistlich-musikalische Seelsorge, die er bis heute mit seiner rauhen Baritonstimme in regelmäßigen Radio- und Fernsehsendungen verbreitet.

Musikalisch hat Solomon Burke alles verarbeitet, was zur schwarzen Unterhaltung seit den frühen fünfziger Jahren gehört: Gospel und Soul, Rock'n'Roll und Funk, Blues, Rhythm&Blues und auch eine Prise Jazz. Daraus hat er eklektische Songs wie das grandios schnulzige „Cry To Me“ oder „Everybody Needs Somebody to Love“ geformt. An diesem Dienstag wird er siebzig Jahre alt. Ruhestand bedeutet das für ihn nicht. Im Herbst erscheint eine in Nashville produzierte neue CD von ihm.

Quelle: F.A.Z., 21.03.2006, Nr. 68 / Seite 33
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