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Rufus Wainwright auf Tournee Liebesschmerz im Würstchenland

Der Sänger Rufus Wainwright machte bei seiner Welt-Tournee im Frankfurter Gibson-Club Station und gab ein Konzert, bei dem auch seine Band brilliert. Nun geht es nach Spanien, Frankreich und Großbritannien.

© Rosenkranz, Henner Er verkleidet sich eben gern: Rufus Wainwright gibt bei seinem zweieinhalbstündigen Konzert in Frankfurt alles. Zur Zugabe erscheint er als Apoll in Toga.

Wenn sich Rufus Wainwright mit etwas auskennt, dann mit Familie und wie man von ihr nicht loskommt. Als „Dysfunctional First Family of Folk-Pop“ regierten die seit der frühen Kindheit des Sohnes getrennten Musiker-Eltern Kate McGarrigle und Loudon Wainwright III ihr Reich, in dem ungezählte Gitarren durch die Hände unzähliger Verwandter gingen. Umstellt von Lautsprechern und umgeben von Singer/Songwritern aufzuwachsen, die noch aus allem einen Text und eine Melodie machten, muss unglaublich inspirierend und anstrengend zugleich gewesen sein.

Als Wainwright seine erstes eigenes Album in den Händen hielt, nahm der Clan das nur beiläufig zur Kenntnis: Gott, ja, das erste, es werden noch ein paar folgen, mögen sie gedacht haben. So war es dann auch. Das neueste, „Out of the Game“, stellte Wainwright jetzt im Frankfurter Gibson-Club vor. Es ist phantastisch, balladig, countryselig, es klingt zuweilen nach Elton John - ein feines, von Mark Ronson produziertes Soundwunderwerk von Popnummern. Der Sänger intonierte charismatisch und nachdenklich, liebenswürdig und eine Spur so wie ein Kind, das eigentlich alles richtig macht und über das dennoch niemand jubelt. Es liegt eine Ahnung von Nöligkeit in seiner Stimme, die natürlich sehr camp ist, aber eben auch einen Rest von echtem Schmerz transportieren mag.

„One Man Guy“

Live machte Wainwright einen sehr gelösten Eindruck, vielleicht, weil er das Konzept Familie weiter hat ausbauen können. Einer der schönsten neuen Songs, „Montauk“, erzählt seiner Tochter, die er mit der Leonard-Cohen-Tochter Lorca gezeugt hat, von ihren beiden Vätern - mit dem zweiten ist Wainwrights deutscher Freund gemeint (“Your Dad in a Kimono“), den er im Sommer in Montauk geheiratet hat. Vorband des Abends war wohl nicht zufällig die von Adam Cohen, Sohn Leonards, der sich mit matten Witzen durchhangelte und „So long, Marianne“ wirklich besser nicht gesungen hätte. Später legten alle zusammen dann noch Vater Cohens „Everybody Knows“ hin, aber fabelhaft. Wainwright: „Das ist ein zutiefst deprimierender Song, wie ihn alle lieben, besonders hier in Deutschland.“

Damit war die „Papa-Sektion“ des Konzerts beendet, deren erster Teil in einem wunderschönen Song von Loudon Wainwright III bestand. „One Man Guy“ sang Rufus mit Charysse Blackman, deren richtiger Vorname Charisma lauten müsste. „I’m a one man guy in the morning, same in the afternoon ...“ - da kam wieder diese leichte Traurigkeit im Publikum hoch. Denn es wirkte so seltsam, dass jemand, der sich so gern verkleidet - bei der Zugabe spielte Wainwright einen Apoll in Toga -, so stets und ewig der Gleiche bleiben sollte.

Lächelnde Melancholie

Das würde aber erklären, warum man fast lieber der CD zuhört, als im Konzert zu sein, wo man einen Song nach dem anderen irgendwie klasse fand, ohne je auszuflippen. Genau: Rufus Wainwright ist der Musiker, über den noch nie jemand ausflippte. Er begrüßte seine deutschen Schwiegereltern liebenswürdig und mit etwas Ironie (“Hello, Helga and Bernd!“) und anfangs die Frankfurter mit „I am in the Land of Sausages!“.

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Dann aber kamen seine guten Nummern, „Candles“, „Rashida“, „Barbara“, seine erste Single „April Fools“. Alle waren happy. „The One You Love“ knallte gerade heraus, und das vom Ehemann eingeforderte Auftragswerk „The Song of You“ klang zu schön, um wahr zu sein. Und diese Band! Jeder durfte mal: Teddy Thompson, britischer Folksänger, Sohn der Sixties-Folksänger Richard und Linda Thompson, sang „The Saratoga Summer Song“ von Kate McGarrigle und Krystle Warren deren Lied „I Don’t Know“. Wer sich fragt, ob Wainwrights lächelnde Melancholie wirklich nur damit zu tun hat, dass alle ihn respektieren, aber nie in seiner Gegenwart die Contenance verlieren, oder womit noch, der höre auf das ironische Bedauern angesichts der verlorenen Jugend in „Out of the Game“. Das Lächeln des Bassisten Sharief Hobley, der wenigstens etwas Prince-Sündigkeit in das Finale brachte, sagte: „Leute, wenn ich dürfte, wie ich könnte ...!“

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Quelle: F.A.Z.

 
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