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Zum Tod von Roger Cicero : Swingende Leichtigkeit

Roger Cicero 1970 - 2016 Bild: dpa

Roger Cicero zog mit seinen deutschen Jazzsongs leichtfüßig über die Bühnen. Auch Misserfolge warfen ihn nicht zurück. Jetzt ist er mit 45 Jahren an einem Schlaganfall gestorben.

          Am 18. März hatte Roger Cicero seinen letzten öffentlichen Auftritt: In der „Abendschau“ des Bayerischen Rundfunks sang er „The Best Is Yet to Come“ von Frank Sinatra. Eines der Lieder, die er für sein Sinatra-Album aufgenommen hatte, mit dem er jetzt endlich richtig auf Tour gehen wollte. Im vergangenen Jahr musste er abbrechen und die Termine absagen, weil er infolge einer verschleppten Viruserkrankung einen Erschöpfungszustand und ein angegriffenes Herz hatte. Das sei wieder ganz ausgestanden, zum Glück, sagte er in der „Abendschau“ auf Nachfrage. Beim Singen wirkte er etwas angestrengt und vergaß eine Textzeile, „wait till you see that sunshine day“, überging das aber mit Leichtigkeit.

          Es war diese Leichtigkeit, die ihn erfolgreich gemacht hatte. Roger Cicero, Sohn des Jazzpianisten Eugen Cicero, hatte früh beschlossen, etwas anders zu machen als die anderen Jazzsänger: deutsch zu singen. Er ließ sich amüsant-dreiste Texte von Frank Ramond schreiben und verlieh ihnen ein lässiges Gesicht. Dass er sich schwer tat damit und erst wieder zur Natürlichkeit finden musste, erzählte er 2008 im Gespräch mit dieser Zeitung. Wenige Monate zuvor hatte er mit der Swing-Nummer „Frauen regier’n die Welt“ trotz großer Hoffnungen im Vorfeld einen enttäuschenden neunzehnten Platz beim Eurovision Song Contest in Helsinki belegt. Doch er bekannte, daran habe er eigentlich nur positive Erinnerungen. Denn er sei so positiv empfangen worden, als er zurück nach Deutschland kam.

          Immer freundlich, immer locker

          Zu jedem Zeitpunkt wirkte Roger Cicero, als ginge er leichtfüßig durchs Leben. Er sammelte Auszeichnungen ein, füllte große Hallen und freundete sich in der Fernsehsendung „Sing meinen Song“ vor laufenden Kameras mit Kollegen wie Xavier Naidoo und Sasha an. Nie trat er dabei anders auf als freundlich und locker. Deshalb kam er mit einer Musikgattung im Popgeschäft durch, die vielen Hörern des Formatradios musikalisch beinahe zu anspruchsvoll hätte erscheinen können: Wenn es so leicht aussieht, diese Musik zu machen, dann kann es nicht anstrengend sein, sie anzuhören. Die jedermann verständlichen Texte taten ihr Übriges dazu.

          Eines seiner Lieder heißt „Wenn es morgen schon zu Ende wär“. Von der Berliner Zeitung dazu befragt, sagte der Sänger: „Es kann sehr schnell zu Ende gehen. Ich glaube, es braucht solche radikalen Gedanken, um sich dessen bewusst zu werden. Ich jedenfalls brauche sie, um mich komplett auf das Leben einzulassen und mir jeden Tag zu sagen: Nein, nicht warten, jetzt machen!“ Roger Cicero hatte das Rauchen aufgegeben, er verzichtete auf Alkohol und praktizierte Yoga, vor seinen Auftritten machte er Kopfstand. Sein Vater Eugen Cicero war im Alter von siebenundfünfzig Jahren an einem Schlaganfall gestorben.

          „Cicero sings Sinatra“ und das Album „Roger Cicero Jazz Experience“ waren die letzten großen Projekte des gebürtigen Berliners. Die Platten sind für zwei Echos nominiert. Nachdem er die „Abendschau“ verlassen hatte und zurück in seine Wahlheimat Hamburg geflogen war, traten bald nicht näher bezeichnete „neurologische Symptome“ auf. Wenige Tage später starb Roger Cicero im Kreise seiner Familie, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Er wurde fünfundvierzig Jahre alt. Das letzte, was er in seinem Leben sang, „The Best Is Yet to Come“, ist nicht nur ein Lied. So lautet auch die Grabinschrift von Frank Sinatra.

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