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Rockmusik Mehr als ein Ersatz: Paul Rodgers wird „Queen“-Sänger

19.01.2005 ·  Die Entscheidung ist gefallen: Paul Rodgers ersetzt als Sänger von „Queen“ den verstorbenen Freddie Mercury. Rodgers ist einer der großen Unbekannten der Rockmusik - und seinem Vorgänger doch haushoch überlegen.

Von Edo Reents
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Daß die Band „Queen“ nach dem Tod ihres Sängers im Herbst 1991 zur Freddie-Mercury-Gedächtniskapelle verkam - das neulich über die Rampe gegangene Musical bestätigt das -, ist ein Schicksal, das sie mit anderen teilt: Was waren die „Doors“ ohne Jim Morrison, was „AC/DC“ ohne Bon Scott, was die „Beatles“ ohne den gleichsam aus dem Jenseits zugeschalteten John Lennon? Nicht viel.

Das wissen auch die verbleibenden „Queen“-Musiker, die gute Miene dazu machten, daß ihr Freddie, der doch bloß ein besserer Kasper war, mit seltener Penetranz zum Einzigen ausgerufen wurde - nicht auszudenken, was dies an Einschüchterung für einen möglichen Nachfolger bedeuten würde, um den sich die Band lange bemühte und als der sogar Robbie Williams einmal im Gespräch war.

Vom Blues zum Glamrock

Der neue Mann ist jetzt gefunden, und es ist ein guter alter Bekannter, der sich nicht grämen muß über der Frage, ob er denn in die Fußstapfen des Verewigten passe: Paul Rodgers nämlich hat, wenn das schiefe Bild erlaubt ist, erheblich größere Füße als der Vorgänger und wird seine Sache so gut machen, wie er das seit fünfunddreißig Jahren sowieso tut, ohne dabei, wie Mercury, außerhalb der dafür zuständigen Blätter mit Neckischkeiten wie Anbiedereien ans Opernfach von sich reden zu machen. Eine andere Frage ist, ob das stilistisch zusammengeht: Ein Fachmann für lastenden Blues singt Glamrock.

Paul Rodgers ist heute einer der großen Unbekannten der Rockmusik, und so ist, bevor er im Dezember 2009 endlich sechzig wird, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, sich ihn einmal genauer anzuhören. Er hat noch bei Alexis Korner, dem Vater des englischen Blues, gelernt und machte sich mit dessen Begleitmusikern Paul Kossoff (an der Gitarre), Andy Fraser (Baß) und Simon Kirke (Schlagzeug) 1968 in London selbständig, um unter dem Namen „Free“ Ansprüche auf die Entthronung der „Rolling Stones“ zu erheben.

Ein Frühvollendeter

Daß dies mißlang, war nur ihrer Instabilität zuzuschreiben. „Free“ machten 1970 den schweren britischen Bluesrock vor allem mit ihrem genialen Album „Fire And Water“ und der extrem durchschlagskräftigen Single „All Right Now“ weltweit bekannt. Rodgers war erst zwanzig und sang wie ein Fünfundvierzigjähriger. Vollends unglaublich wird die Arbeit dieses Frühvollendeten, wenn man sich klarmacht, was er schon auf den beiden Bandalben zuvor geleistet hatte: nämlich die Vereinigung von Sensiblität und Kraft. Überhaupt entsprach er mit viel Haaren auch auf der Brust, entsprechendem Bühnengehabe inklusive Mikrofonständerschwenken und seiner einzigartig markanten Stimme ideal dem Bild, das man sich von einem Rocker gemacht hatte.

Seinen selbst das Klischee nie scheuenden Vortrag brachte er auch in der Nachfolgeformation „Bad Company“ zur Geltung, deren gleichnamiges Debüt im Spätherbst 1973 entstand und sicherlich eine der besten Rockplatten des Jahrzehnts ist. Über Paul Rodgers, der auch hier primus inter pares war, hieß es damals sehr gültig im Rocklexikon, das seinerseits den „Rolling Stone“ zitierte: „Seine ungemein ausdrucksvollen Vokalisen gewannen ihre Expressivität ,aus dem Akzentwechsel zwischen rauher Emotionalität und delikater Verinnerlichung'.“ Schon je so was über Freddie Mercury gelesen?

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2005, Nr. 15 / Seite 42
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Jahrgang 1965, stellvertretender Leiter des Feuilleton.

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