http://www.faz.net/-gqz-uqia

Ray Manzarek : „Wir waren Kiffer und hatten viel Spaß“

  • Aktualisiert am

Will noch nicht aufhören: Ray Manzarek von den Doors Bild: AP

Er kann es nicht lassen: „Doors“-Mitbegründer und -Organist Ray Manzarek geht wieder auf Tour. Und spricht vorab über Jim Morrison, Oliver Stone - und einen schlaffen Händedruck von Andy Warhol.

          Das "Sanderson" in London ist eines dieser hippen Luxushotels, wie sie von Models, Designern und Start-up-Unternehmern bevorzugt werden. Einen Alt-Hippie wie Ray Manzarek würde man an diesem Ort eher nicht vermuten. Aber was heißt hier Alt-Hippie: Der ehemalige "Doors"-Organist sieht aus wie der perfekte Gentleman, und er benimmt sich auch so: bietet Tee an, steht zur Begrüßung auf und ist die Freundlichkeit in Person. Sogar die ständige Fragerei nach Jim Morrison erträgt er mit Fassung . . .

          In Ihrer Autobiographie schreiben Sie, dass Sie schon öfter von Jim Morrison geträumt hätten: Er sei plötzlich wieder da, und alles ist wie früher. Haben Sie diesen Traum immer noch?

          Ja, aber nicht sehr oft. Zum letzten Mal vor vielleicht einem Jahr: Meine alten Band-Kollegen John Densmore, Robbie Krieger und ich sitzen in unserem alten Aufnahmestudio in Los Angeles, da geht plötzlich die Tür auf, und Jim kommt reingeschlendert. Wir sagen alle: "Hey Jim, da bist du ja wieder! Wo hast du gesteckt? Hast du uns ein paar neue Songs mitgebracht?" Und er antwortet: "Klar! Wollt ihr sie mal hören?" In dem Moment bin ich aufgewacht. Von den neuen Jim-Morrison-Songs habe ich also leider nichts mitbekommen.

          Zusammen auf Tour: Robby Krieger und Ray Manzarek
          Zusammen auf Tour: Robby Krieger und Ray Manzarek : Bild: AP

          Was glauben Sie: Wie wäre es wohl mit den "Doors" weitergegangen, wenn Jim Morrison nicht gestorben wäre?

          Ich kann mir schon gut vorstellen, dass wir dann immer noch Musik zusammen machen würden. Wahrscheinlich so in der Stilrichtung von "American Prayer" . . .

          . . . einem Album mit Gedichten von Jim Morrison, das Sie sieben Jahre nach seinem Tod mit Robbie Krieger und John Densmore aufgenommen haben . . .

          Genau, also insgesamt eine Art Jazzrock - natürlich auf einer höheren Ebene. Und Jim würde immer noch die Songtexte schreiben.

          In Ihrem eigenen Buch über die "Doors" steht aber, Jim Morrison habe kurz vor seinem Tod geahnt, dass "L.A. Woman" das letzte "Doors"-Album sein werde.

          Tatsächlich? Na ja, es kann natürlich sein, dass Jim Todesahnungen hatte. Ich bin jedoch sicher, dass er die "Doors" nicht verlassen wollte. Mit "L.A. Woman" hatten wir unseren Plattenvertrag bei Elektra Records erfüllt - das heißt, wir waren frei und konnten von nun an tun, was wir wollten. Vor allem war Jim nicht mehr dazu gezwungen, den Rockstar zu spielen. Also ging er nach Paris, wo er erst mal seine Ruhe haben und einfach nur Gedichte schreiben wollte - ein bisschen in der Tradition von Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald oder Henry Miller. Aber keiner von uns glaubte, dass das Kapitel "Doors" damit beendet sein würde - geschweige denn, dass irgendjemand mit Jims Tod gerechnet hatte.

          Für Sie ist das Kapitel "Doors" ja ohnehin nicht beendet - vierzig Jahre nach Erscheinen des ersten Albums und mehr als 35 Jahre nach Jim Morrisons Tod gehen Sie jetzt gemeinsam mit dem "Doors"-Gitarristen Robbie Krieger auf Konzerttournee. Wäre es denn nicht an der Zeit, mit der Sache abzuschließen?

          Mir ist schon klar, dass einige Leute sagen: "Was fällt diesen alten Männern bloß ein, dass sie immer noch ihre Musik spielen? Die brauchen wohl Geld!" Dabei ist die Sache doch ganz einfach: Musiker spielen halt gern Musik. Typen wie ich werden nervös, wenn sie nicht auftreten. Und wenn ich denn schon die Möglichkeit habe, mit Robbie Krieger, der ja immerhin "Light my Fire" geschrieben hat, genau diesen Song vor Publikum zu spielen - warum sollte ich es dann nicht tun? Ich finde es ja auch klasse, dass eine Band wie die "Rolling Stones" immer noch auf Tournee geht. Das zeigt doch nur, dass der Rock 'n' Roll keine Altersgrenzen kennt.

          Aber lässt sich denn die Legende der "Doors" ohne Jim Morrison überhaupt am Leben erhalten?

          Wen juckt denn die Legende? Ich behaupte ja gar nicht, dass ich irgendwelche Legenden am Leben erhalte. Ich spiele "Light my Fire", und zwar zusammen mit Robbie Krieger. Wer uns dabei zusehen will, der ist herzlich eingeladen. Wer dagegen meint, dass wir damit an der Legende der "Doors" kratzen - bitte schön. Ich bin jedenfalls anderer Auffassung.

          Den Gesang übernimmt Brett Scallions, der ehemalige Sänger der Rockband "Fuel". Was qualifiziert ihn für den Posten des Jim-Morrison-Nachfolgers?

          Brett soll kein Morrison-Nachfolger in dem Sinne sein, dass er ihm irgendwie ähnelt - dazu ist er überhaupt nicht der Typ. Aber er hat eine großartige, voluminöse Stimme und eine unglaubliche Präsenz. Er schleicht über die Bühne wie eine Katze und sieht dabei auch noch verdammt gut aus. Ich bin sicher, dass wir mit ihm viele neue "Doors"-Fans gewinnen können.

          Weitere Themen

          Im Darknet

          Illegaler Online-Handel : Im Darknet

          Das Darknet ist ein versteckter und verruchter Teil des Internets. Dort floriert der illegale Handel mit Waffen und Drogen. Warum schaltet man es nicht einfach ab?

          Drohnen gegen Drogen Video-Seite öffnen

          Peru gegen illegalen Handel : Drohnen gegen Drogen

          Im Kampf gegen den illegalen Handel von Drogen setzt Peru in Zukunft ein neues Instrument ein: unbemannte Fluggeräte. Zusätzlich zum Finden von Drogenschmugglern in Dschungelgebieten sollen die Drohnen auch benutzt werden, um Flugzeuge mit illegalen Substanzen aufzuspüren.

          Topmeldungen

          Erwin Huber im Gespräch : „Die CSU hat ein Trauma“

          Als Parteivorsitzender bildete Erwin Huber mit Günter Beckstein das erste CSU-Führungstandem. Im FAZ.NET-Interview verrät er, was er über das Duo Söder/Seehofer und über eine Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg denkt.

          Erderwärmung – eine Pause? : Auch 2017 war ein Hitzejahr

          Kein Rekord, eine kleine Pause sogar, aber der Trend bleibt: Die mittlere Erdtemperatur kratzt an den Rekordwerten. Deutschland jedoch ist abgehängt, und eine Kälteanomalie bleibt bis 2018.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.