31.01.2013 · Gaumenfreuden aus dem Getto: Der Rapper Haftbefehl macht Metasprache aus prekärem Slang
Von Daniel HaasRichtlinien für Lesermeinungen
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Maskulines Fleisch für eine wie Stern-Frau Himmelreich
Im Sinne der Moderne in Überschrift und Text einfach nur Avantgarde.
Ausnahmen für Rapper - abartiges Verhalten wird künstlerisch hochstilisiert
Das Feuilleton muss einen ziemlichen Spagat machen: einerseits werden
hier ständig Gender- Sexismus, Rassismus und was weiß ich
für hoch sensibilisierte Diskussionen geführt. Und
andererseits genießt man Asozialenlyrik eines Rappers, als ob es
ein Kinderlied wäre.
Das gleiche Problem hatten viele meiner Freunde, die Rassismus und
Sexismus aus jeder Ecke hervorkriechen fühlten, aber mit
Begeisterung Wu Tang Clan hörten.
Für mich passt das alles nicht zusammen. Wer asoziales Verhalten
hochstilisiert, so wie die ganze Aggro Berlin Gepampe, muss in dasselbe
Raster gelegt werden wie ein Brüderle oder Sarrazin.
Das geschieht aber nicht und ist für mich total befremdlich.
Einen Haftbefehl, Farid Bang, Sido oder wen auch immer finde ich
asozial, und dass die Jungs damit viel Geld verdienen ist kein gutes
Zeichen für unsere Gesellschaft und typisch für die Heuchelei
in unserem Kulturbetrieb. Wenn ähnliche Texte von deutschen
"rechten" kämen, wären alle auf den Barrikaden. Zu recht.
Liegt neben seinem Kanackis (wie er seine Sprache nennt) vor allem an den wirklich sehr gut produzierten Beats. Die hier genannten schlechten Reime tun nichts zur Sache. Bei Haftbefehl reimt sich streng genommen fast nichts und dennoch passen Flow, Beat, Stimme, Slang ziemlich harmonisch zusammen. M. E. besser als bei vielen die zwanghaft versuchen zu reimen und es kommen bloß "Haus, Klaus, Maus" Reime bei rum ;-).
ist der Mann 27 Jahre alt. Soweit die Fakten. Ansonsten: sehr schön, Herr Haas.