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Brian May zum 70. : Heute ein König

Brian May 1980, als seine Band Queen den Rap miterfand. Bild: Allstar

So viel mehr als ein Gitarrist: Dem Rockmusiker und Queen-Kapellmeister Brian May zum siebzigsten Geburtstag.

          Den Mitgliedern von Queen erging es nach dem Tod Freddie Mercurys 1991 wie zwanzig Jahre zuvor denen der Doors nach dem Tod Jim Morrisons: Solo waren sie kaum überlebensfähig, so dass sie ihre weitere Existenzberechtigung vor allem in der Nachlassverwaltung unter Beweis stellten. Inzwischen gehört diese bis heute schwer einzuordnende britische Band zu den in Ton und Bild bestdokumentierten und -verfügbaren überhaupt.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Dem Gitarristen Brian May fiel in diesem Quartett keine undankbare Rolle zu. Mit seinem ungemein flüssigen, flexiblen, aber, wenn es drauf ankam, auch sengend harten Spiel bildete er zu Mercurys aufreizendem, hochenergetischem Primadonnengehabe einen ähnlich profunden Gegenpart wie damals, zur Hoch-Zeit des Glamrock, Mick Ronson zu David Bowie: als eine Art Kapellmeister, der sich, wenn die Show es erforderte, auch aus der Reserve locken ließ, um seine Fingerfertigkeit zu demonstrieren, und sich mit seinem gleichfalls attraktiven Äußeren auch gar nicht zu verstecken brauchte.

          Ein bisschen alles, und natürlich Operette

          Queen hatten viel Köpfchen und wenig Gefühl. Der in Hampton, Middlesex, geborene May war ein außergewöhnlich guter Schüler und studierte Physik und Astronomie. Die Queen Mum überreichte ihm 1968 ein Bachelor-Diplom; seine Doktorarbeit, die er die ganze Queen-Zeit hindurch vor sich hergeschoben hatte, machte er vor zehn Jahren fertig. Die Saiten seiner selbstgebauten Gitarre spielt er mit einer Münze, und mit einem speziellen Hall-System kann er Klänge erzeugen, für die andere Bands Tasten- oder Blasinstrumente brauchen. Queen standen für alles, aber für nichts ganz: Glamrock, Disco, (früher) Rap, Kuschelrock – meistens natürlich Operette; und wenn sie auch noch eine Hardrock-Band waren, dann dank Brian May.

          Was soll nur werden ohne Freddy Mercury? Der Sänger und der Gitarrist 1979 in Hamburg. Bilderstrecke
          Was soll nur werden ohne Freddy Mercury? Der Sänger und der Gitarrist 1979 in Hamburg. :

          Personell bestens ausbalanciert, verfügte man auch in Gestalt des Schlagzeugers Roger Meadows-Taylor und des Bassisten John Deacon über ambitionierte, kompetente Songschreiber, wie nicht nur auf der wohl immer noch besten Platte „News Of The World“ (1977) zu hören ist. Ein Lied wie „We Are The Champions“, voller Lebensfreude und Selbstbewusstsein, konnte nur Freddie Mercury schreiben. Wenn es aber darum ging, richtig Druck zu machen, dann musste May ran: Man höre das mächtig krachende, textlich empfindsame „It’s Late“ und vor allem „We Will Rock You“, das ebenfalls ins kollektive Mainstream-Gedächtnis eingegangen und immer noch ein zuverlässiger Stadion-Anheizer ist.

          Mit diesem kurzen Lied brachte May das Kunststück fertig, dreiviertel davon ganz ohne Instrumente vergehen zu lassen, aber dem Hörer schon damit ein zwingendes Rock-Gefühl einzuflößen, bis er dann für eine knappe halbe Minute seine Sunburst traktiert. Diese rohe, ja primitive Form der Selbstermächtigung, die lange nachwirkt, ist nicht weniger quintessentiell als andere große Titel des harten Siebziger-Rock, wie May überhaupt seine Lektionen von Bands wie Deep Purple, Black Sabbath und Led Zeppelin gelernt hat. Obwohl er es durchaus mit deren Gitarristen aufnehmen kann, hat er deren klassischen Status doch nie erreicht, weil Queen eben nie eine reine Gitarrenband waren. Nach deren Ende blieb er rastlos, auch wenn er sich mit seinen Soloplatten keinen Gefallen tat. An diesem Mittwoch wird Brian Harold May, der mehr als ein Gitarrist ist, siebzig Jahre alt.

          Quelle: F.A.Z.

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