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Porträt: Avril Lavigne Du musst für immer siebzehn sein

03.05.2007 ·  Mit ihrem dritten Album, „The Best Damn Thing“, ist sie gerade fast aus dem Stand auf den ersten Platz der deutschen Charts gesprungen. Und immer noch reitet sie auf der kessen Teenager-Attitüde, obwohl ihr die eigene Musik längst zu poppig ist, meint Julia Bähr.

Von Julia Bähr
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Da ist man schon mal Rockstar und kann trotzdem nicht tun, was einem beliebt. Sich seinen zweiundzwanzig Jahren gemäß aufführen, zum Beispiel. Ein richtiges Rock-Album herausbringen, zum Beispiel. Avril Lavigne, die 2002 mit „Complicated“ ein furioses Debüt hinlegte, ist privat inzwischen nicht mehr nur die punkig zurechtgemachte Rotzgöre, sondern kocht auch gerne mit ihrem ganz in Weiß angetrauten Ehegatten italienische Menüs für Freunde.

Ihr drittes Album „The Best Damn Thing“, das gerade fast aus dem Stand den ersten Platz der deutschen Charts erreicht hat, reitet trotzdem weiter auf der kessen Teenager-Attitüde herum; angefangen bei der Single „Girlfriend“: „I don't like your girlfriend! I think you need a new one!“

Die Anti-Britney

Werbetechnisch betrachtet, wäre alles andere auch unsinnig. Schließlich wurde die zierliche Kanadierin von Anfang an als Anti-Britney verkauft, von ihrer kajalgeschwärzten Aufmachung über ihre rockige Musik bis hin zu eigens lancierten Anekdoten von üblen Besäufnissen im Studio. Mehr als 26 Millionen weltweit verkaufter Alben gaben dem Konzept recht. Mittlerweile ist Britney Spears dank rasiertem Schädel und Nervenzusammenbruch selbst zur Anti-Britney geworden - aber Lavigne, obwohl sie sich gegen dieses Etikett immer gewehrt hatte, kommt sie aus der Nummer nicht mehr raus.

Bei Live-Auftritten zeigt die Musikerin an E-Gitarre und Piano deutlich, dass ihr die eigenen Platten-Arrangements viel zu poppig sind und sie eigentlich lieber so dramatisch laut loslegt wie ihr Mann Deryck Jayson Whible, Sänger der Punkrockband „Sum 41“. Aber obwohl sie an allen Songs mitschreibt, kann die Interpretin nicht verhindern, dass auch ihr drittes Album an Faschingsclowns erinnert, die mit Konfetti um sich werfen und dabei aufmunternd „Stimmung!“ rufen; das ist „Green Day“ für Mädchen.

Nur noch einmal pro Woche blau

Dabei ist das schon meilenweit entfernt von ihren musikalischen Anfängen: In der Kleinstadt Napanee erzkatholisch erzogen, durfte Avril Ramona Lavigne auf ausdrückliche Weisung ihrer Mutter nur Kirchenlieder singen sowie garantiert jugendfreie Countrysongs. Mit vierzehn begann sie, Gitarre zu spielen und eigene Songs zu schreiben. Nachdem ihr späterer Manager sie bei einem Auftritt in einem Buchladen entdeckt hatte, zog Lavigne die logische Konsequenz aus ihrer Herkunft: Sie wurde ein Punk, und daran ändern bis heute auch Chanel-Kleider und spießige Hochzeitsfotos nichts.

In Interviews sagt sie wundervolle Dinge wie: „In den letzten zwei Wochen habe ich mich nur zweimal besoffen!“ Früher verwüstete sie gern Hotelzimmer, nun sagt sie: „Seit die Plattenfirma mir das privat in Rechnung stellt, lasse ich es lieber bleiben.“ Auch die Texte ihres Albums unterliegen inzwischen der Zensur der Plattenfirma, die einen warnenden „Parental Advisory“-Aufkleber vermeiden wollte. Was bleibt, ist ein nettes Stück Radiopop. Den Fans wird es wahrscheinlich besser gefallen als Lavigne selbst.

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