05.06.2007 · Sie nutzen den kommenden G-8-Gipfel auf ihre Weise: die linke Straßenguerrilla für ausufernde Gewalttaten - und eine Welt-Nebenregierung der Unterhaltungsindustrie, die mit aller Macht zu uns spricht. Nicht zum eigenen Nachteil.
Von Michael HanfeldZweierlei hat der G-8-Gipfel schon vor seinem Beginn gezeigt: Es gibt eine linke Straßenguerrilla, die einen solchen Anlass sucht, um ausufernde Gewalttaten zu begehen - und es gibt so etwas wie eine Internationale der Unterhaltungsindustrie, eine Welt-Nebenregierung, die mit aller Macht zu uns spricht. George Clooney („St. George“) gehört ihr an, Heidi Klum („die Kreuzritterin“) und natürlich Herbert Grönemeyer („The Good German“). Sie und fünf weitere „Prominente aus der Show- und Modebranche stehen auf für eine bessere Welt“, macht uns dieser Tage das Prominentenmagazin „Vanity Fair“ weis und hat das Show-Kabinett darum auf den Titel gerückt. Der Afrika-Aktivist Bob Geldof hat einen Tag lang Chefredakteur der „Bild“ gespielt, und über Herbert Grönemeyers Auftreten macht sich anscheinend sogar die Bundesregierung Gedanken.
So zumindest klingt der Passus eines Protokolls, das der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Bernd Pfaffenbach, Ende Mai zu einer Vorbereitungsrunde des G-8-Gipfels verfasst und das die Hauptstadtredaktion des „Spiegel“ zutage gefördert hat. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel, heißt es da, wolle auf dem Gipfel ankündigen, dass Deutschland 2008 zusätzliche 750 Millionen Euro zur Armutsbekämpfung in den Haushalt einstelle.
Welch ein Ritterschlag!
Bob Geldof habe ihr versichert, „dass bei einem solchen Schritt er persönlich auf Kritiker wie Herbert Grönemeyer Einfluss nehmen werde, um deren Kritik zu mäßigen“. Welch ein Ritterschlag: Angela Merkel gibt 750 Millionen Euro aus, damit Bob Geldof auf Herbert Grönemeyer einredet. Und was ist mit Bush? Die beiden Sänger haben natürlich gleich dementiert: Geldof will es nicht gesagt haben, und Grönemeyer will nicht korrumpierbar sein; ja er will, wie er kürzlich in einem Interview sagte, nicht einmal mit Politikern reden, weil er glaubt, „dass Rockmusik nerven, einen Freigeist-, einen Apo-Charakter haben muss“. Deshalb passten Politiker und Popmusiker nicht zusammen.
Das tun sie aber offenbar doch. Und sie reden auch miteinander, der Freigeist Grönemeyer zum Beispiel traf sich am Rande des G-8-Gipfels 2004 im schottischen Gleneagles in einem Golfhotel heimlich mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder. Wie es scheint, haben es manche Showgrößen längst geschafft, von Regierungschefs als Ihresgleichen akzeptiert zu werden. Entsprechend zupackend treten sie auf. Sie fordern, laut „Vanity Fair“: „Nicht nur über Armut reden, sondern endlich handeln.“ Das klingt gut. Dass so etwas dem Plattenhandel, der Einschaltquote und der eigenen Bekanntheit nutzt, wird billigend und gewiss nicht ungern in Kauf genommen.
Doch bleibt auch - oder erst recht - bei den Prominenten die Frage, welchen Beitrag sie selbst leisten, um die Welt zu verbessern, und was diejenigen davon haben, in deren Namen sie auftreten. Protestkonzerte und ein Flug im Privatjet nach Zentralafrika können nur ein Anfang sein.
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