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Popmusik „Silbermond“: Rummel um Stefanie

23.01.2005 ·  Die derzeit höchst erfolgreiche Band „Silbermond“ spielt in Frankfurt. Die Gruppe aus Bautzen erinnert an die Neue Deutsche Welle. Ob sie den momentanen Hype in den Medien künstlerisch übersteht ist offen.

Von Michael Köhler, Frankfurt
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Nervös zupft Sängerin Stefanie Kloß an schwarzen Ponyfransen, greift beherzt zum Mikrofon und läßt die glasklare Jungmädchenstimme erklingen.

Zu Konzertbeginn befindet sich die 20 Jahre alte Frontfrau von „Silbermond“ auf wahrhaft ungewohntem Terrain: Umjubelt von einer größtenteils jugendlichen Fanschar, steht sie auf dem Bartresen und strahlt unkomplizierten Liebreiz, aber auch Professionalität aus. Derweil warten ihre drei Bandkollegen, Schlagzeuger Andreas Nowak, Gitarrist Thomas Stolle sowie dessen Bruder Johannes Stolle am Baß, auf der in schummriges Licht getauchten Bühne auf ihren Einsatz.

Invasionspläne funktionieren

Ausverkauft, verkünden weiße Klebebanner: Die Formation aus der berüchtigten Stadt Bautzen, wo zu DDR-Zeiten unliebsame Arbeiter und Bauern hinter Gittern verschwanden, wird in den kommenden anderthalb Stunden unter Beweis zu stellen versuchen, daß die Nach-Wende-Jugend das musikalische Zepter zu übernehmen gedenkt. Momentan scheinen die Invasionspläne des ostsächsischen Quartetts zu funktionieren: Eintrittskarten für die bis April laufende Tournee des neuen deutschen Popwunders sind schon seit Wochen nicht mehr erhältlich. Dicht an dicht drängt sich das Publikum - so überfüllt ist der ehrwürdige Traditionsclub höchst selten.

Die Anspannungen der vergangenen Monate, als dank mehrteiliger TV-Doku-Soap der Schritt in die Öffentlichkeit gelang, das Debütwerk „Verschwende Deine Zeit“ für mehr als 400.000 verkaufte Einheiten mit Doppelplatin ausgezeichnet wurde und die Mühlen des Medienoverkill zu mahlen begannen, merkt man der ehemaligen Schülerband nicht an. Zügig, mit jeder Menge interaktiven Spielchen gespickt und einer recht kurz geratenen, aber bravourösen Akustik-Einlage spulen „Silbermond“ ein facettenreiches Repertoire ab. Nur die ein wenig wie auswendig gelernten Zwischenansagen von Stefanie Kloß wirken allzu brav.

Silbermond erinnert an die Neue Deutsche Welle

Völlig neu und einzigartig, wie das die Promotionmaschinerie dem Publikum weismachen möchte, ist die künstlerische Linie des Ostensembles indes nicht. Eine Spur härter als auf der Tonkonserve umweht den Pop-Nachwuchs zwischen rüder Alternative Rock-Obsession und harschem Metal-Rausch ein Hauch Verruchtheit.

Inhaltlich regiert über weite Strecken das hierzulande beliebte lyrische Mittelmaß, das über banale Liebe-Triebe-Platitüden nicht hinausreicht - auch wenn launiges auf deutsch Getextetes derzeit im Trend zu liegen scheint. Vieles an „Silbermond“ erinnert an die Neue Deutsche Welle: Ein bißchen Nena, ein wenig „Ideal“, ein Quentchen „Extrabreit“, und selbst die zunächst provokant wirkende Masturbationshymne „Mach's Dir selbst“ kommt einem irgendwie bekannt vor, wenn auch nur in Form eines umstrittenen Auftritts von Nina Hagen in der österreichischen Talk-Show „Club 2“.

Doch treffen die holde Sängerin und ihre drei durchaus zur Virtuosität befähigten Mitmusiker zumindest mit zwei kompakten Songs den Nerv der Zeit: „Durch die Nacht“ und „Symphonie“ gefällt auch Zielgruppen, wie es so schön im Marketing-Fachdeutsch heißt, die sich nicht mehr wöchentlich an bunten Jugendpostillen laben. Ob die Formation den gegenwärtigen Rummel künstlerisch schadlos übersteht, bleibt allerdings fraglich.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 23.01.2005, Nr. 3 / Seite R4
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