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Sonntag, 12. Februar 2012
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Popmusik Annettchens liederliche Lieder

12.11.2004 ·  „Ich will doch nur spielen“: Diese mit Kleinmädchenstimme gesungene Zeile hat die Hamburger Kunststudentin Annett Louisan bekannt gemacht. Ihre frivol-ironischen Texte machen das Album „Bohéme“ zum Erlebnis.

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Wann immer von Annett Louisan die Rede ist, und das ist in letzter Zeit öfter der Fall, fällt das kleine Wörtchen „süß“. Und süß ist in der Tat, was die fünfundzwanzigjährige Kunststudentin aus Hamburg mit ihrem Debüt „Bohème“ abgeliefert hat. Die Frage ist nur: lecker oder klebrig?

Es sind deutsche Chansons, sparsam instrumentalisiert mit Gitarre, Kontrabaß, Streichern, auch Piano oder Mandoline. Entspannter Boulevardjazz, ein bißchen Pop vielleicht. Annett singt mit zarter Kleinmädchenstimme, ganz sanft, ganz nah am Ohr ihrer Zuhörer. Sie wispert, zwitschert, haucht. Stimmgewaltig ist sie nicht. Und bahnbrechend innovativ klingt der Sound ihres Albums auch nicht. Aber da ist etwas, das „Bohème“ trotzdem zum Erlebnis macht: die frivol-ironischen Texte, die offenbar aus Annetts Erfahrungsschatz stammen und von Frank Ramond in Reime gegossen wurden.

Sie will nur spielen

„Daß du nicht mehr bist, was du einmal warst, seit du dich für mich ausgezogen hast / Daß du alles schmeißt wegen einer Nacht und alles verlierst, war so nicht gedacht“, trällert sie tückisch-harmlos in „Das Spiel“. Der Kontrast zwischen unaufgeregter Elfenstimme und gar nicht elfenhaften Texten macht den Reiz von „Bohème“ aus. Annett spielt die liebe Lolita, um im nächsten Augenblick der Männerwelt zuckersüß verpackte Tiefschläge zu verpassen.

„Ich steh' nur so rum, tu so dies und das, fahr' mir durch das Haar und schon willst du was.“ Oder in „Die Dinge“: „Ich brauch' sehr viel Nähe und die möglichst komplett, mit dir kann man gut reden, aber er ist gut im Bett.“ Es sind liederliche Lieder, die Annettchen singt, von den kleinen und großen Dramen zwischen Mann und Frau. Und der - auch das noch - blonde Engel räumt dabei mit so manchen Vorurteilen auf. Das hat man so noch nicht gehört. Also: lecker-süß.

Annett Louisan, Bohème. 105 Music 518837 (Sony)

Quelle: rike / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2004, Nr. 266 / Seite 42
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