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Pixies im Konzert Sie haben sich ein Denkmal gebaut

12.10.2009 ·  Bruce Springsteen hat es getan, Van Morrison und jetzt auch die Pixies: Sie haben ein komplettes Album auf die Bühne gebracht. Mit ihrer „Doolittle“-Tour, die sie jetzt nach Frankfurt führte, erklärt sich die Band aus Boston zum Klassiker.

Von Jörg Thomann
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Bruce Springsteen hat es getan, Van Morrison, Brian Wilson, Sonic Youth oder Steely Dan: Sie haben ein komplettes Album auf der Bühne gespielt. Wo das PopGeschäft heute die Hörer vor allem zum Herunterladen von Hits animiert, bieten diese Musiker einen Gegenentwurf und erweisen nicht nur sich selbst eine Reverenz, sondern auch dem Medium Schallplatte als Gesamtkunstwerk. Es ist denn auch eine besondere Liga, die das eigene Werk in dieser Weise zu würdigen wagt: Von, sagen wir, den Pussycat Dolls wird es ein „Full Album Concert“ nicht geben.

Dass sich die Pixies hier einreihen, verwundert hingegen nicht. Die Band aus Boston hat mit ihren zwischen 1987 und 1991 veröffentlichten vier Langspielplatten - das Debüt „Come On Pilgrim“ war eine EP mit nur acht Titeln - den großen Durchbruch nicht geschafft, doch namhafte Bewunderer und Nachahmer gefunden. Seit ihrem als sensationell empfundenen Comeback vor fünf Jahren (Die "Pixies" wieder auf Tournee) haben die Pixies auf diversen Festivals versucht, doch noch den wohlverdienten Lohn einzuspielen, um den sie sich einst durch Selbstsabotage gebracht hatten - etwa, indem sie MTV bewusst schlechte Videos vorlegten, die der Sender nicht spielen wollte. Heute scheint die Band um ihren kreativen Kopf Black Francis erkannt zu haben, dass Einflussreichtum allein beim Broterwerb nicht weiterhilft. Zwischen Ausverkauf und Arbeit am eigenen Mythos bewegt sich auch die gerade gestartete Tour mit allen Songs des vor zwanzig Jahren veröffentlichten Pixies-Albums „Doolittle“.

Befreiter Jubel

Das einzige Deutschland-Konzert am Sonntagabend in der Frankfurter Jahrhunderthalle ist nicht ausverkauft: So richtig kommerziell werden die Pixies in diesem Rockerleben nicht mehr werden. Die Vorgruppe Dinosaur Pile-up, drei junge Mähnenschüttler aus Leeds, fällt nicht unangenehm auf. Ihr Sänger stellt als potentieller Kandidat im Wettbewerb „Britain's Next Kurt Cobain“ auch die Verknüpfung zu den Pixies her, deren erklärter Fan der Nirvana-Frontmann war. Freundlicher Applaus, doch befreiter Jubel, als auf die Videoleinwand über der Bühne Szenen aus „Ein andalusischer Hund“ projiziert werden: Erkennungssignal für den „Doolittle“-Eröffnungssong „Debaser“, dessen Text den Film von Buñuel und Dalí zitiert.

Selbst auf dem Nostalgietrip freilich sparen es sich die Pixies nicht, die Erwartungen zu unterlaufen - und spielen erst einmal, auf der Bühne nur als Schattenrisse zu sehen, vier B-Seiten-Stücke. Erst danach ertönt Black Francis' Gebell, dass er der „chien andalusia“ sei. „Doolittle“, aufgenommen Ende 1988 mit dem Produzenten Gil Norton, klang sauberer, strukturierter und zugänglicher als die Vorgänger; der nach wie vor fulminante Gitarrenkrach und die zwischen Irrsinn und Intellekt pendelnden Texte von Black Francis waren eingebettet in Melodien, lieblicher denn je. „Doolittle“, eine Platte fast ohne Schwächen, brachte den Pixies immerhin bescheidenen Charterfolg und erfreute sich über die Jahre an beachtlichem Wertzuwachs: Wenn Musikzeitschriften ihre Listen der größten Alben aller Zeiten präsentieren, steht es regelmäßig auf einem oberen Platz.

Man weiß, was man bekommt

Von ihrer Wucht haben die Lieder nichts eingebüßt. Mehr noch als bei „Debaser“ zeigt sich dies bei der Lärmlawine von „Tame“, die die Zuschauer überrollt. Dass man genau weiß, was man bekommt, ist Vor- wie Nachteil eines solchen Konzertes. In der exakten Reihenfolge des Albums spielen die Dame und die drei Herren im besten Alter die „Doolittle“-Songs, fünfzehn in achtunddreißig Minuten. Es hat etwas von einem Verwaltungsakt, macht aber viel mehr Spaß. „Sind wir noch auf Seite eins oder schon auf der zwei?“, fragt die dauerstrahlende Bassistin Kim Deal das Publikum und dürfte damit bei jüngeren, MP3-sozialisierten Zuschauern Kopfzerbrechen auslösen; deren Zahl indes ist nicht sehr hoch. Black Francis bleibt, wenn er nicht singt, stumm und hebt nur königinnengleich die Hand zum Gruß.

Bei „Here Comes Your Man“, der entspanntesten Pop-Perle, die er je geschrieben hat, zeigt die Leinwand groß die fröhlich im Takt wippenden Köpfe der vier - vollends versöhnt mit dem eigenen Schaffen. Wer wollte sie davon abhalten, die Kuh weiter zu melken, wenn die Milch so gut mundet? Im Jahr 2010 ist es übrigens zwanzig Jahre her, dass die Pixies „Bossanova“ veröffentlichten. Auch das ist ein schönes Album.

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